Neuntes Kapitel.
Die Art und Weise der Kriegführung in der Periodevon der Thronbesteigung Friedrich'» II. bis zum An-fange der Kriege der ersten französischen Revolutionund Republik (1740—1792).*)
§. 116.
Der Einfluss Friedrieh's II. auf die Art und Weise und Kunst derKriegführung im Allgemeinen in dieser Periode.
Oben war erläutert worden: 1) class Gustav Adolph durch seineOperationen im dreissigjährigen Kriege den ersten Grund zu einer neuen,regelrechten, systematischen Art und Weise und Kunst der Krieg-führung in Europa gelegt hat, und 2) dass die falsche Auslegung seinerErfolge am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts zumMethodismus in der Kriegführungsart führte, deren Unterscheidungs-merkmale waren: die Wichtigkeit der Festungen, der Magazine, derCommunicationen der Armeen mit diesen, der Aufrechterhaltung undSicherstellung der eigenen Communicationen und der Operationen gegendie feindlichen, des Manövrirens. der natürlichen und künstlichen Hinder-nisse, und die Bedeutungslosigkeit der entschiedenen Operationen imAllgemeinen und des Kampfes insbesondere.
Da erschien Friedrich II. und brachte durch seine glänzenden Er-folge im schlesischen und siebenjährigen Kriege eine solche Umwälzungin der Art und Weise und in der Kunst der Kriegführung hervor, wieGustav Adolph im 17. Jahrhunderte es gethan hatte. Die Art und Weiseder Kriegführung Friedrieh's II. war von der am Ende des 17. und amAnfange des 18. Jahrhunderts üblichen ganz verschieden, 1) weil Fried-rich es verstand, durch verschiedene Mittel die Abhängigkeit seiner
*) Die hier beschriebene Art und Weise und Kunst der Kriegführung in dieserPeriode bezieht sieh im Allgemeinen auf alle Kriege, die in ganz Europa, sowohl imwestlichen als im östlichen, geführt worden sind.