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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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27G HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

unter Anderem am meisten in Erstaunen, class sie nicht auf irgend welchebeständige, allgemein angenommene Regeln begründet waren, sondernimmer aus der freien Eingabe des Genies Friedrich's entsprangen, immerden Umständen und Mitteln entsprechend waren, und darin ist einsihrer wichtigsten Verdienste enthalten. So operirte er in den schlesischenKriegen, da er starke, ausgezeichnet organisirte Truppen hatte und alleUmstände zum Kriege mit Oesterreich ihm günstig waren, offensiv, be-müht, seinen Zweck mehr durch Kampf als durch Manövriren zu er-reichen. In den ersten vier Feldzügen des siebenjährigen Krieges, alsgegen Preussen sechs feindliche Armeen von vier Seiten her operirten,konnte er natürlicher Weise nicht überall offensiv operiren, aber er wollteauch nicht auf allen Punkten defensiv operiren, überzeugt, wie er sichselbst in seinen Schriften ausdrückt, dass: wer Alles vertheidigen will,der Gefahr ausgesetzt ist, Alles zu verlieren. Es ist dies ein im hohenGrade bemerkenswerther Gedanke, durch seine Richtigkeit in der An-wendung auf die Lage Friedrich's selbst während des siebenjährigenKrieges und noch mehr hinsichtlich seines Jahrhunderts, wo das ganzeOperationsziel der Feldherren vorzüglich darin bestand, Alles zu be-setzen, zu decken und zu vertheidigen. Indem Friedrich dem ent-sprechend operirte, führte er den oben im Detail beschriebenen Offensiv-Defensivkrieg, und in der Kunst, einen solchen zu führen, konnte Niemand,weder in alten, noch in neueren, ihm näher stehenden Zeiten ihm gleichkommen. Indem er den Vortheil, dem Feinde durch Offensivoperationenzuvorzukommen, in seiner ganzen Tragweite erkannte, war er stets, wennes ihm nur die Mittel und Umstände erlaubten, bemüht, seinen Gegnerndurch Eröffnung des Feldzuges oder durch jede beliebige Kriegsoperationim Detail zuvorzukommen, durch plötzlichen Ueberfall sie in Zweifel undVerwirrung zu versetzen, sie zu zwingen, sich nach seinen eigenen Opera-tionen zu richten, und sie auf diese Weise aller Vortheile und Vorzügeoffensiver Operationen zu berauben. So kam er ihnen im Jahre 1756durch Eröffnung des Krieges und die Besetzung von Sachsen zuvor und inden Jahren 1757 und 1758 durch Eröffnung des Feldzuges und durchseinen Einfall in dem einen Jahre nach Böhmen und in dem anderennach Mähren. Am Anfange des Krieges hoffte er über die 0esterreicherwichtige Erfolge zu erzielen und dadurch Maria Theresia zum Frieden zuzwingen. Da er aber dies nicht vermochte, beschränkte er sich auf dieOffensivvertheidigung innerhalb der Grenzen Preussens und Sachsens,nur bemüht, den Angriffen seiner Gegner zuvorzukommen und diese ab-zuschlagen, durch die Schnelligkeit seiner Bewegungen, Plötzlichkeit,Entschiedenheit und Stärke seiner Operationen, doch so, dass er dabeizugleich nach Möglichkeit seine Streitkräfte und Mittel für zukünftigeZeiten schonte. Die allmälige Erschöpfung dieser Kräfte und Mittel be-