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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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8. Friedrich IL, König von Preussen, von der Thronbesteigung bis zum Tode. 277

wog ihn. in den letzten drei Feldzügen des siebenjährigen Krieges, dieOffensiv - Defensiv operationeil zwar in gleicher Weise wie früher fort-zusetzen, aber den Kreis derselben zu beschränken, seine Streitkräftemehr concentrirt zu halten und seinen Zweck fast nur noch ausschliess-lich durch Manövriren zu erreichen, dem Kampfe sorgfältig auszuweichenund sich in einen solchen nur in Fällen der äussersten Notwendigkeiteinzulassen.

Friedrich operirte stets entsprechend den Mitteln und Umständenund zeichnete sich im Allgemeinen durch ungewöhnliche Thätigkeit,Schnelligkeit der Bewegungen, Entschlossenheit der Operationen, durchKunst im Manövriren und begründete Wahl der Mittel zur Erreichungjedes vorgesteckten Zieles aus.

Er operirte beständig und ausschliesslich im Felde, indem er sichdurch die Oertlichkeit verstärkte; sehr selten nur vertheidigte er sich inFestungen und belagerte solche und dann auch nur mit abgesondertenTheilen seiner Streitkräfte, und mit Ausnahme seiner Aufstellung imLager von Bunzelwitz (einer That der Notwendigkeit, als ihm keinanderes Mittel blieb) hat er sich nie in befestigten Lagern oder Positionenaufgestellt.

Die Art und Weise der Truppenverpflegung, welche von ihm gegenfrüher und gegen die noch in den Armeen seiner Gegner herrschendeArt und Weise bedeutend vervollkommnet war, trug ungemein viel zurBeweglichkeit der preussischen Truppen, zur Schnelligkeit ihrer Be-wegungen und Entschiedenheit ihrer Operationen bei, indem sie die-selben weniger abhängig von der Verpflegung und den Magazinen machteund Friedrich grössere Freiheit in den Operationen liess. Da nun seineGegner keine ähnlichen Vortheile hatten und durch ihre Abhängigkeitvon ihren Magazinen sorgfältig bemüht waren, die Communicationen mitdiesen zu erhalten und sicher zu stellen, so operirte Friedrich sehr oft mitErfolg und Nutzen gegen ihre Magazine und Communicationen und ineinigen Fällen, wie z. B. vor den Schlachten bei Zorndorf und Kunners-dorf, wo er eine entschiedene Niederlage und sogar eine Vernichtung derfeindlichen Armee im Auge hatte, stellte er sich auf die Communicationender Letzteren, indem er ihr den Weg zum Rückzuge abschnitt.

Was die taktische Kunst Friedrich's anbelangt, so muss er wohl indieser Hinsicht höher gestellt werden, als in der Kunst der Kriegführung.Obgleich von den zeitgenössischen Feldherren ihn keiner in der letz-teren übertraf, so sind dennoch die Operationen Einiger derselben, be-sonders die des Prinzen Heinrich und des Herzogs von Braunschweig,den seinigen würdig an die Seite zu stellen. Aber in taktischer Hinsicht,in der Kunst, die Truppen im Kampfe entsprechend den Umständen undder Oertlichkeit, besonders alle drei Truppengattungen zusammen zu