8. Friedrich II., König von Preussen, von der Thronbesteigung bis zum Tode. 275
In Unglücksfällen, wie bei Kolin und Kunnersdorf, konnte Friedrichimmer eine zuverlässige und wahrhafte Stütze in der Vorsicht. Geistes-gegenwart und den Anordnungen seiner Generäle und Officiere. in derFrontevollkommenheit und Kriegserfahrung seiner Truppen und beson-ders in der Disciplin, von der oben gesprochen worden ist. finden. Allesdieses zusammengenommen, war der Grund der Wiederherstellung undAufrechterhaltung der Ordnung und der Standhaftigkeit allerseits.
Ueberhaupt ist es ungemein bemerkenswerth, wie Friedrich sich inUnglücksfällen im Kampfe und Kriege zeigte. Das Unglück konnte ihnbeugen, sich aber seiner nicht bemächtigen und ihn nicht niederwerfen ;jedoch nicht dies, sondern das Glück führte ihn zu den endlichen, glück-lichen Resultaten seiner Feldzüge, der schlesischen und des sieben-jährigen, und das Glück verdankte er sicb/selbst.
§.115.Allgemeine Schlussfolgerung.
Die Grösse und der Ruhm der Kriegsheldenthaten Friedrich's ent-sprangen aus seiner ungewöhnlichen geistigen und seelischen Begabung.In Kriegsangelegenheiten zeigte Friedrich bei ausgezeichneten Ver-standeserwägungen ungewöhnliche Geistesstärke und festen Willen,welche sogar die grössten Gefahren nicht erschüttern konnten. Ge-rade unter den schwierigsten und gefährlichsten Umständen trat seinGenie mit grösster Kraft durch wirklich staunenswerthe Kühnheit undEntschlossenheit der Operationen hervor. Hieraus entsprangen auch der-jenige moralische Einfluss, dessen Kraft seine Gegner an sich erprobten,und das moralische Uebergewicht, welches er im Laufe aller seiner Kriegeaufrecht zu erhalten verstand und auf seiner Seite zu bewahren vermochte.Er besass die unumschränkte Hingabe und das Zutrauen der preussischenTruppen und die Gabe, diese zu den schwierigsten und gefährlichstenHeldenthaten anzufeuern und ihre moralischen Kräfte zu heben: zugleicher Zeit verstand er aber auch die moralischen Kräfte seiner Gegnerzu schwächen, alle seine Operationen auf den ihm bekannten Charakter,auf die schwachen Seiten und die Art und Weise der Operationen derLetzteren zu begründen und ihre kleinsten Fehler sich zu Nutze zumachen. Darin bestand denn auch hauptsächlich die höhere Kunst seinerOperationen und die Hauptursachen seiner Erfolge, und in dieser Hinsichthat ihn wohl kaum einer der früheren Feldherren übertreffen.
In den Operationen Friedrich's. ähnlich wie in den Operationen derihm vorhergegangenen grossen Feldherren der Geschichte, Alexander'sdes Grossen. Hannibal's, Julius Caesar's und Gustav Adolph's. setzt
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