Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
274
Einzelbild herunterladen
 

274 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

deckten Terrain und zog für solche Operationen eine ebene und freieFläche vor, weil er dann nach den Regeln seiner Taktik viel bequemerund besser seine ausgezeichnete Infanterie und Reiterei verwendenkonnte. Daher fanden auch in den Jabren 1761 und 1762. in denen derFeind ebene Gegenden vermied und gebirgige und coupirte vorzog, keinegrossen Schlachten statt.

Die normale Charakteristik der Schlachten Friedrichs war folgende:

1) Friedrich verkürzte so viel wie möglich die Dauer des anfäng-lichen Artilleriefeuers und liess sofort die Infanterie im Schnellschritteauf Flintenschussweite vom Feinde vorrücken, schlug ihn durch dünne,deployirte Liniensalven und fuhr fort, auf diese Weise die Infanterie vor-rücken zu lassen.

2) Die Reiterei folgte dem Vorrücken der Infanterie und die Reiter-generale Avaren selbst auf jegliche Weise bemüht, alle günstigen und vor-theilhaften Momente des Kampfes zu benutzen, um schnelle, starke undentschlossene Attaken zu bewerkstelligen, in der Absicht, die feindlicheInfanterie zu durchbrechen, zu werfen und zu schlagen.

3) Friedrich war ein Gegner von parallelen Attaken in der Fronte,aber ein Anhänger von Attaken in schräger Schlachtordnung, mit derHauptmacht auf einer der Flanken, während ein Theil der Streitkräfteden anderen feindlichen Flügel beschäftigte und aufhielt.

4) Zu diesem Behufe rückte die Armee im Schnellschritt in Linienzugweise zur Umgehung der anzugreifenden Flanke vor, und nachdemdie Umgehung bewerkstelligt worden war, stellte sie sich perpendiculärzu dieser Flanke, durch Schwenkung der Züge nach rechts oder links,auf und begann sofort im Feuern die Attake.

Aber bei diesem allgemeinen, normalen Gange der Schlachten Fried-richs hatte eine jede derselben, nach Umständen, mehr oder wenigerMannigfaltigkeit in den Einzelheiten. Aus dem angeführten Bilde desallgemeinen, normalen Ganges der Schlachten Friedrichs ist leicht zuschliessen, dass sie nicht lange dauern konnten; sie waren in der Thatauch kurz, entschlossen, aber mit grossem Verluste für die preussi-schen Truppen verbunden, mit einem Worte kurz und blutig. Soz. B. dauerte die Schlacht bei Prag nur 5 Stunden, bei Kolin 5y 2 , beiLeuthen 4, bei Torgau 6, dagegen bei Zorndorf 11 1 / 2 und bei Kunners-dorf 8 Stunden und der Verlust an Todten, Verwundeten und Gefange-nen war: bei Prag 12,509 Preussen und 13,324 Oesterreicher, bei Kolin12,323 Preussen und 8110 Oesterreicher, bei Leuthen 5978 Preussenund 28,074 Oesterreicher, bei Torgau 12,500 Preussen und 16,000Oesterreicher, dagegen bei Zorndorf 11,385 Preussen und 21,531 Russenund bei Kunnersdorf 18,495 Preussen und 16,176 Russen und Oester-reicher.