8. Friedrich II., König von Preussen, von der Thronbesteigung bis zum Tode. 273
Feind weit verfolgen). Nach verlorener Schlacht aber »muss der Generalallem zuvor«, sagt Friedrich, »sich und seine Officiere und Soldatenvon der Furcht befreien« (unter dem persönlichen Befehle Friedrich'ssind zwei solcher Rückzüge bewerkstelligt worden, nach den Schlachtenbei Kolin und Kunnersdorf, die beide glücklich gelangen, und dem Rück-züge nach der Schlacht bei Hochkirch ist kein zweites Beispiel zurSeite zu stellen). Weiter stellt Friedrich die Frage auf: in welchem Falleist eine Schlacht zu liefern? und antwortet darauf: »niemals gezwungen,sondern immer aus eigenem Antriebe und Willen, zur Niederlage, so-gar zur Vernichtung des Feindes«. Er macht sich selbst darüber Vor-würfe, dass er zu den Schlachten bei Soor und Mollwitz gezwungenworden war, und sagt von ersterer: »ich hätte es verdient, geschlagen zuwerden, wenn mich meine Generäle, Officiere und Truppen nicht ge-rettet hätten«. Zum Schlüsse sagt er: »alle unsere Kriege müssen be-lebt und kurz sein, denn es steht uns nicht an, die Sache in die Längezu ziehen: ein ermüdender Krieg ist unserer Disciplin schädlich undwürde die Bevölkerung und die Mittel unseres Landes erschöpfen«.Weiter, im Zusammenhange damit, spricht Friedrich über den Zweck derdamals in der preussischen Armee eingeführten Art des Manövrirens oderder Evolutionen, deren Theorie: durch Kampf die Sache schneller zuentscheiden, auf Zeitersparniss begründet war; damit war auch eng dieDisciplin verbunden, mit deren Hilfe die Römer die halbe Welt eroberthatten.
Wenn man Alles zusammenfasst, was Friedrich in der Instructionauseinandergesetzt und hinsichtlich des Kampfes und der Schlachtenselbst thatsächlich erfüllt hat, kann man sich folgenden allgemeinen Be-griff von seinen Schlachten machen.
Alle oben angeführten Ursachen bewogen Friedrich in den Schlach-ten, wie überhaupt im Kriege immer, den Angriff der Vertheidigung,die Initiative und das Zuvorkommen dem Abwarten vorzuziehen. Da-rin besonders war die Eigenartigkeit der taktischen sowie strategischenOperationen Friedrich's enthalten (das, was Napoleon I. la partie divinede l'art nennt). Friedrich suchte, ähnlich wie Turenne , immer demFeinde nach Möglichkeit näher zu sein, selbst zuerst ihn anzugreifen,sogar mit ungleichen, schwächeren Streitkräften und mit der Absicht, ihndurchaus zu schlagen. Dagegen war er ein entschiedener Gegner einertaktischen passiven Vertheidigung und Hess es niemals zu, dass derFeind ihn überfiel (die Schlachten bei Soor und Mollwitz bilden, wieoben erwähnt, eine Ausnahme). Alle seine Schlachten hatten einen offen-siven oder wenigstens einen offensiv-defensiven Charakter. Friedrichbeklagt sich darüber, dass er sehr oft und viel riskiren und wagen musste.Er war ein Gegner von Kampfoperationen auf einem coupirten und ver-
Oalitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 3. IS