8. Friedrich II., König von Preussen, von der Thronbesteigung bis zum Tode. 271
weniger als vier, auf Entfernungen gegenseitiger Hilfe durch Flankenoder Linien zu bewerkstelligen. Er prüft Märsehe verschiedener Art:parallele Flankenmärsche, zu grossen Schlachten und bei Rückzügenjeglicher Art. Ueber die höheren Erwägungen dabei ist das Notlüge im3. Theile der »Oeuvres posthumes de Frederic, publiees du vivant del'auteur« auseinandergesetzt. Nicht selten legte er bei seinen forcirtenMärschen 6—7 Meilen (42-—49 Werst) in vierundzwanzig Stunden zurück.Während der Märsche, nach Ankunft an dem Ort der Lageraufstellung,räth er vor allem (wie es bei ihm selbst erste Regel war) nach allenSeiten hin Recognoscirungen und schnelle Aufnahmen der Oertlichkeitnach Augenmaass zu machen, was bei ihm einige Officiere seiner Suiteund Ingenieure, sowie die Adjutanten der Generäle und Truppen sowohlin Marschlagern, als in Quartieren bewerkstelligten.
Weiter spricht er über verschiedene Kriegsoperationen, wie:
1) über die Massregeln, sich vor den feindlichen leichten Reiter-truppeii zu sichern. Bei dieser Gelegenheit ist zu bemerken, dass er dieZahl der preussischen Reiterei bedeutend vergrösserte und ihre Operations-art vervollkommnete. Bei seiner Thronbesteigung gab es nur 54 Esca-dronen, in den ersten 4 Jahren (bis 1744) vergrösserte er diese Zahlschon auf 150, in Folge dessen das Verhältniss der Reiterei zur In-fanterie seiner Armee wie 1 : 4 und sogar bisweilen wie 1 : 3 war.Der Zweck einer solchen Vergrösserung der Reiterei war die Sicher-stellung der Armee vor den. zahlreichen Reitertruppen der Oesterreicher(der ungarischen Husaren und Kroaten) und der Russen (Kosaken), dieBewerkstelligung einer vollständigen Niederlage des Feindes in und nachder Schlacht und ausserdem noch die Verwendung der Husaren zurfortwährenden Beobachtung des Feindes. Deshalb forderte er von derReiterei alles nur Mögliche, und sie entsprach ganz einer solchen For-derung. In ihr bildeten sich ausgezeichnete Generäle und Officiere, undsie leistete Friedrich und seiner Armee grosse Dienste und brachte ihmgrossen Nutzen. Späterhin fügte Friedrich der Reiterei die reitende Ar-tillerie hinzu.
2) Darüber, wie ein General den Gegner zu dieser oder jener Be-wegung zwingen oder die Initiative und das Uebergewicht, besonders beiEröffnung des Feldzuges, erlangen muss und kann. In kurzen Wortenspricht er über die Notwendigkeit einer genaueren Prüfung der Unter-nehmungen, über die Erwägung der Massregeln des Feindes zum Wider-stände, über die Umgehung des Feindes u. s. w. Alles dieses ist kurz,aber deutlich, praktisch und jeder Theorie fern dargestellt. »Für die-jenigen, welchen diese Andeutungen mitgetheilt werden«, sagt Friedrichin seiner Einleitung zur Instruction, »genügtauch ein halbes Wort zurErklärung derselben.«