8. Friedrich II., König von Preussen, von der Thronbesteigung bis zum Tode. 269
bewahren will, erhält nichts. Daher ist die feindliche Armee der wesent-liche Gegenstand, deren Absichten auf alle mögliche Weise zu erforschensind, worauf ihnen mit aller Macht entgegenzuwirken ist.
§. 112.
Operationspläne, Kriegsrath, Kriegslist, Auskünfte über den Feind
und die Oertlichkeit.
Friedrich war ein Gegner von Allem, was nur einem System ähnlichwar, selbst hatte er gar kein besonderes System und liebte nicht, vorherOperationspläne zusammenzustellen. Seine Operationspläne entsprangenseinem Geiste während der Operationen selbst, im Angesichte des Fein-des, entsprechend den Operationen des Letzteren und den Umständen,und waren immer ungemein einfach und nicht complicirt. Daher findetman in seiner Instruction ausgezeichnete praktische Belehrungen überAlles, aber über eigentliche Operationspläne keine Sylbe. Der Feldzugvom Jahre 1744 regte ihn zu besonderen Betrachtungen an und im Jahre1745 stellte er einen sehr guten Plan von Vertheidigungsoperationen zu-sammen. Aber schon nach der Schlacht bei Kolin hat er nie mehr vorherOperationspläne gemacht.
Er war auch ein Gegner des Kriegsrathes in der Armee und war derMeinung, dass der beste Rathgeber der Generäle (des Obercommandiren-den und eines Jeden) ein Jeder selbst sei und daher unbeschränkte Machthaben müsse. Er sagt, dass der General, dem sein Herrscher seineTruppen anvertraut, das Recht erhält, nach seinem Gutdünken zu operiren,ohne übrigens den Rath eines Andern, selbst des allerjüngsten Officiers,für das allgemeine Wohl zurückzuweisen. Friedrich selbst giebt seinenGenerälen nur praktische Rathschläge, Hinweise, aber keineswegs un-bedingte Regeln.
Die Kriegslist schätzte Friedrich sehr und lenkte das Augenmerkseiner Generäle auf diese, indem er sagte, dass die Kriegslist jetzt geringgeschätzt werde, aber, wie Beispiele darthun, sehr nützlich zur Herbei-führung neuer Gedanken sein könne. Die Hauptkriegslist besteht seinerMeinung nach darin, dass man seine Absichten sorgfältig verbirgt,die feindlichen hingegen erforscht, besonders vor Eröffnung des Feld-zuges, und ausserdem in der Kunst, seine Armee so zu sammeln, dassder Feind den Zweck davon nicht zu errathen im Stande sei. Er weistauf viele Mittel hin, den Feind in verschiedenen Fällen zu täuschen(beim Uebergange über Flüsse, vor einer grossen Schlacht u. s. w.). Alsbestes Vorbild in der Kriegslist stellt er Hannibal auf und sagt, dass einihm ähnlicher General auch zu unserer Zeit ein sehr gefährlicher Geg-