266 HI. Kriege in fler zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Aller und jedes Einzelnen in der Armee dahin lenkte, sich der Pflicht alsdem höchsten Gesetze zu suhordiniren und diese zu erfüllen. Nur durchdieses Mittel und nicht aus Furcht vor Strafe allein (wie behauptet wor-den ist) konnte die Disciplin in der Armee Friedrich's auf einen so hohenGrad der Vollkommenheit gebracht werden, dass nicht nur die Preussen,sondern auch Ausländer und neu angeworbene Soldaten aus den erober-ten Districten durch das allgemeine Beispiel und den Geist zu strengsterPflichterfüllung fortgerissen wurden. Ohne dieses hätte die Furcht vorStrafe allein, in den letzten drei Kriegsjahren, als nur noch wenig alteOfficiere und Soldaten übrig geblieben waren , nicht solche Wunder derSelbstverleugnung, Standhaftigkeit und Tapferkeit hervorbringen können,wie bei Liegnitz, Torgau, Kolberg, in Pommern im Jahre 1761 undin Schlesien und Sachsen im Jahre 1762. Friedrich war stets und un-aufhörlich bemüht, in seiner Armee diesen auf strenge Disciplin undPflichterfüllung begründeten Kriegsgeist aufrecht zu erhalten und zu be-wahren. Und verstärkt durch glückliche und gelungene OperationenFriedrich's durchdrang dieser ausgezeichnete Geist in seiner Armee, ver-bunden mit hohem Ehrgefühl in der Pflichterfüllung, alle Chargen derArmee, von den höchsten bis zu den niedrigsten, stand höher als in denfeindlichen Armeen und enthielt die Bürgschaft für den Sieg in sich.Daher entwickelte und verstärkte sich in der Armee und allen ihrenTheilen während der Kriege mit besonderer Kraft der staunenswertheGeist der Kriegskameradschaft (esprit de corps) , welcher Beweise un-glaublicher Aufopferung und Tapferkeit lieferte. Gewiss gab es auchBeispiele von Unzuverlässigkeit einiger Truppentheile und sogar vonstarken Desertionen, besonders, als einige Truppentheile nicht mitPreussen completirt werden konnten; aber dieselben Leute, auf die maneinen Tag Acht haben musste, kämpften am anderen Tage wie Löwenund wenn sich auch unter den geschlagenen Truppen allgemeine Furchtverbreitete, so fochten ein anderes Mal dieselben Truppen mit aus-gezeichneter Standhaftigkeit und Tapferkeit. Mit einem Worte, der Geistin der Armee Friedrich's war immer ein ausgezeichneter, weil er auf dieobenerwähnte ausgezeichnete Disciplin begründet war, welche den Haupt-gegenstand der Fürsorge Friedrich's bildete, ganz mit dem Offensiv-Charakter seiner Kriege und Kriegsoperationen übereinstimmte und da-her von ihm an die Spitze seiner Instruction gestellt worden war.
§. 110.
Die Truppenverpflegung.
In seiner Instruction setzt Friedrich an zweiter Stelle nach der Dis-ciplin als das Wichtigste die Truppenverpflegung und stellt Regeln auf