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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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8. Friedrich IL, König von Preussen, von der Thronbesteigung bis zum Tode. 265

und Zusammenhang der zeitgenössischen politischen Umstände hin-sichtlich Preussens, er erforschte und wusste Alles rechtzeitig und voll-ständig, seinerseits aber verstand er es ausgezeichnet, Alles geheim zuhalten, sowohl seine Absichten, als die Ausführung derselben, sogarvor seinen Generälen, bis zum letzten Augenblicke der Eröffnung derOperationen, ferner in der kürzesten Zeit vom Friedenszustande in denKriegszustand überzugehen, seinen Gegnern mit offensivem Krieg undKriegsoperationen noch früher zuvorzukommen, ehe diese sich zumKriege rüsten und ihre Armeen sammeln konnten, endlich am bestenund am meisten alle Vortheile einer solchen Art des Zuvorkommens undder Initiative zu benutzen. Alles dieses entsprang aus einer Quelle:der ungewöhnlichen Geistesstärke und dem Willen Friedrich's, einemGeiste, der ganz den Hauptgedanken umfasste, welcher zum Hauptzieleführte, und einem Willen, der vollständig alle Operationen auf die Er-reichung dieses Zieles nach dem Gesetze der Pflicht lenkte.

Und dieses Pflichtgesetz war wie für ihn selbst, so für seine Armee :das Wohl Preussens, als Hauptzweck, und die Disciplin, als Haupt-mittel zur Erreichung desselben. In dieser Hinsicht ebenso streng gegenseine Armee als gegen sich selbst, forderte er von Allen in der Armee, vomErsten bis zum Letzten, die grössten Anstrengungen und die höchsteSelbstverleugnung in der Pflichterfüllung und gänzlichen Unterwerfungunter seinen Willen. Er begnügte sich nie mit dem Gewöhnlichen,sondern forderte immer Ungewöhnliches. Es ist üblich geworden, dieDisciplin die Seele der Armee zu nennen, was sie auch in der That ist,aber Friedrich nennt sie in seiner Instruction das Fundament von demRuhm und der Conservation des Staates eine noch höhere Bedeutung.»Ein grosser Theil der Armee«, sagt er, »besteht aus indolenten Leuten(unter diesen versteht er solche, welche nur das Gewöhnliche, Nöthigeaus Furcht vor der Verantwortung erfüllen): wenn der General ihnennicht beständig auf dem Nacken sitzen wird, so wird diese künstlichzusammengefügte Maschine bald verderben und der General wird einegut diseiplinirte Armee nur in Gedanken haben.« Dieser Ansicht legteFriedrich sowohl in wichtigen als in unwichtigen Fällen den gröss-ten Werth bei und dieses brachte die Erscheinungen hervor, welcheFriedrich so sehr an seiner Armee rühmt, indem er sagt: »mit solchenTruppen könnte man die ganze Welt erobern, wenn nur nicht ihre Siegefür sie ebenso fatal wie für den Feind wären«.

Hart waren Friedrich's Disciplinforderungen an die Armee, und dasvon ihm vorgesteckte Ziel: »vom Officier bis zum letzten Gemeinen sollkeiner raisonniren, sondern executiren nur was befohlen worden«, wiees in der Instruction heisst, schwer zu erreichen. Aber darin nament-lich war die höchste und stärkste Kraft enthalten, die den Willen