264 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
fänglichste in der Instruction für seine Generäle ausgesprochen, dieihrerseits ein vollständiger und richtiger Abdruck Friedrich's als Feld-herrn ist. In ihr hat Friedrich in dieser Hinsicht ganz sich selbst ge-schildert und daher ist es interessant und belehrend, sie in den Haupt-zügen und wichtigsten Punkten dem Wesentlichen nach, so weit sie vonFriedrich selbst entworfen worden ist, zu betrachten.
§. 109.
Specielle Charakteristik. Die Instruction Friedrich's für seine Generäle.Initiative und Disciplin.
Friedrich hat viele Kriegsinstructionen verfasst und herausgegeben,aber die erste, wichtigste und bemerkenswertheste war die, welche vonihm vor dem siebenjährigen Kriege zusammengestellt und anfänglich alsManuscript geheim gehalten, aber im Jahre 1753 zum ersten Maleunter dem Titel »Die General-Principia, applicirt auf die Tactique undauf die Disciplin derer preussischen Truppen« herausgegeben wurde. AmAnfange derselben steht, nicht die Kegel, sondern die Wahrheit, in Ge-stalt eines Grundsatzes: immer früher ins Feld zu rücken als der Feind,und darauf erst die Disciplin.
Der Grundsatz: immer früher als der Feind ins Feld zu rücken, be-zog sich in gleicher Weise sowohl auf den Krieg, als auf die Schlacht.Hinsichtlich des Krieges war mit demselben die besondere Kriegs-politik verbunden, die Friedrich persönlich eigen war, aber seinen Zeit-genossen fremd, unbegreiflich blieb. Sie bestand darin, bis auf's Mi-nimum die vorhergehenden politischen und diplomatischen Unterhand-lungen zu verkürzen (so wie Turenne, war Friedrich ein entschiedenerGegner der opinions de robes, d. h. der diplomatischen Unterhandlungenvor dem Kriege) und unterdessen so schnell wie möglich aus demFriedens- in den Kriegszustand überzugehen und dann politisch mitder kategorischen Frage: ja oder nein? hervorzutreten und sofort demFeinde durch Krieg und durch Eröffnung entschlossener Offensivoperatio-nen in seinem eigenen Lande zuvorzukommen. So begann Friedrich alledrei ersten Kriege. Dieses war eine solche Neuigkeit für ganz Europa,dass Friedrich von vornherein als Störer der gewohnten alten Ordnungund daher im Wesentlichen als Eroberer verschrien wurde. Aber dieNachwelt sieht hierauf mit ganz anderen Augen und erkennt darinnur die gesundesten und richtigsten Begriffe über den Krieg, die auchdie Körner in den besten Zeiten der Kepublik und alle unabhängigengrossen Feldherren hatten. Friedrich folgte und beobachtete stets,unaufhörlich und genau vom militärischen Standpunkte aus den Gang