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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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8. Friedrich IL, König von Preussen, von der Thronbesteigung bis zum Tode. 261

und Beschäftigungen im Knaben- und Jünglingsalter hingegen warengar nicht kriegerischer, sondern durchaus friedlicher Natur Wissen-schaften, Künste, Poesie und Musik. Allein er hatte von Jugend auf sorg-fältig die Geschichte Brandenburgs und des Hauses Hohenzollern, be-sonders seit der Zeit des grossen Kurfürsten Friedrich Wilhelm bis zumTode seines Vaters Friedrich Wilhelm I. studirt, und mit Verstand, mitGeist und Herz hatte er das allmälige Wachsen Brandenburgs undPreussens, die politischen Erfordernisse und die Bestimmung seines Vater-landes unter den Staaten Europas, sowie die Notwendigkeit, das vonseinen Vorfahren Begonnene würdig fortzusetzen, erkannt. Die politi-schen Umstände Europas hatten sich noch bei Lebzeiten seines Vaters sogestaltet, dass er in seiner Einsamkeit in Rheinsberg sich nur noch daraufvorbereitete, ein würdiger Herrscher Preussens zu sein, als Herrscherund zugleich als Feldherr desselben. Aber schon bei seiner Thron-besteigung zeigten ihm dieselben Umstände plötzlich die Nothwendigkeit,vor Allem ein würdiger Feldherr Preussens zu sein, um auch ein würdigerHerrscher desselben sein zu können: denn sonst würde Preussen keineErstarkung und Erhöhung bevorgestanden haben, sondern Schwächungund Erniedrigung seitens der Hauptstaaten Europas, besonders Oester-reichs. Daher beschloss er in seinem Geiste, sofort nach seiner Thron-besteigung zuerst die Waffen zum Nutzen Preussens zu erheben, undbegann die preussische Armee bedeutend zu verstärken und in jederHinsicht kriegsbereit zu machen. Der Tod KaiTs VI., des deutschenKaisers (20. October 1740), und die Frage der österreichischen Thron-erbfolge bewogen Friedrich, sofort den Krieg zu eröffnen. Aehnlich denRömern in den besseren Zeiten der Republik, machte er es sich jetzt wiefür die Zukunft zur Regel, nicht einen Angriff abzuwarten und sichnicht zu vertheidigen, sondern dem feindlichen Angriffe durch seineneigenen zuvorzukommen und sogar der Vertheidigung, im Nothwendig-keitsfalle, einen entschlossenen Offensivcharakter beizulegen, sowohlim Feldzuge, als in der Schlacht. Auch darin zeigt er eine grosse Aehn-lichkeit sowohl mit Alexander dem Grossen, als mit den Römern der re-publikanischen Zeit, mit Hannibal und Caesar und mit den grossen Feld-herren der Neuzeit. So eröffnete er plötzlich, beim Beginne seinerkriegerischen Laufbahn, den ersten schlesischen Krieg, dann ebenso denzweiten und den siebenjährigen Krieg; in diesem und jenem, wie auchim dritten operirte er, sowohl strategisch als taktisch, offensiv oder de-fensiv-offensiv, nie defensiv allein. Im bairischen Erbfolgekriege aber,für die politischen Interessen Deutschlands, operirte er nicht sowohl mitWaffengewalt, als mit der Macht seines politischen und moralischen Ein-flusses.

Vor Eröffnung des ersten schlesischen Krieges verstand er es, seine