8. Friedrich IL, König von Preussen, von der Thronbesteigung bis zum Tode. 259
populärer Mensch, in der edelsten Bedeutung dieses Wortes war undganz dem Volke angehörte. Er lebte gänzlich in der Mitte des Volkesund mit dem Leben des Volkes. Jedermann aus demselben war seinesLobes voll und hatte ungehinderten Zutritt zu ihm. Endlich, was weitalle Vorwürfe, Mängel und Fehler Friedrich's übertrifft, war, dass er,der König, sich als ersten Diener des Staates erachtete, und der grosseGedanke, ja man kann sagen der Wahlspruch"seines ganzen Lebensliegt in seinem eigenen Worte: »Als König denken, leben, sterben(penser, vi vre et mourir en Hoi) «*.).
ILFriedrich II. als Feldherr.
§. 108.Allgemeine Charakteristik.
Um Friedrich als Feldherrn nach Möglichkeit vielseitiger und rich-tiger abschätzen zu können, ist es nöthig. die Gesammtheit folgenderUmstände in Erwägung zu ziehen :
Die Hauptsache ist, dass Friedrich in der neuzeitlichen Geschichte(nach Peter dem Grossen) das zweite Beispiel der Vereinigung grosser
*) Pour moi, menace du naufrage,Je dois, en affrontant l'orage,Penser, vivre et mourir en Roi.Fred6ric II. Lettre ä Voltaire du 9 Oetobre 1757. Supplement auxOeuvres posthumes. T. ILUnd in der Ode an den Prinzen Heinrich drückt er seine Gedanken über das Un-glück aus:
»C'est dans les grands dangers qu'une ame magnaninre.Deploie avec vigueur la feraetö sublime
Du courage d'esprit.Le lache, qui fremit au bruit de la tempete,Plein d'effroi du peril, qui menace sa tete,
Est le seul qui perit.Au courage obstine la resistancc cede,Un noble desespoir est l'unique remedeAnx maux desesperes.Le temps termine tont, rien n'est longtemps extremeEt souvent le malheur devient la source memeDes biens tant desires.«Fr6deric IL Ode ä mon frere Henri.Ecrit le 6 Oetobre 1757. Oeuvres posthumes. T. VIII.