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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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256 HI- Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

sich zu verfinstern. Friedrich strengte sich an, dem hereintretendenCommandanten Etwas zu sagen, vermochte es aber nicht und winkte mittraurigem Blicke langsam mit der Hand, zum Zeichen, dass er nicht mehrimStande sei, sich mit Geschäften zu befassen. Von diesem Augenblickean verlor er das Gedächtniss und Bewusstsein völlig. Nur bisweilen wurdesein krankhaftes Phantasmen durch kurze lichte Augenblicke unter-brochen, in welchen Friedrich der Geschäfte erwähnte. In der Nachtvom 16. auf den 17. August befanden sich bei ihm nur der Arzt undzwei Diener. Plötzlich fuhr Friedrich auf, aus seinen Augen leuchteteungewöhnliches Feuer, er wollte sich erheben, aber sein Kopf fiel zurück,der Blick wurde starr, seine Lippen flüsterten vernehmlich: -»0 wie leichtist mir! ich habe den Berg erstiegen . . . will ausruhen . . . ruhen . . .«Die übrigen Laute erstarben in den Convulsionen des letzten Athem-zuges . . . und Friedrich war nicht mehr ... Es war 2 Uhr Nachtsund die Tischuhr Friedrich's blieb von selbst, diese Stunde zeigend,stehen*).

Am Morgen des 17. August erschien in Potsdam der neue KönigFriedrich Wilhelm IL, ein Neffe Friedrich's IL, um der Leiche des Ent-schlafenen die letzte Ehre zu erweisen. Am Abend desselben Tageswurde die Leiche in das Schloss zu Potsdam übergeführt und auf demParade-Katafalk ausgestellt. Aber der Wille Friedrich's H., der in seinemTestamente ausgesprochen war, seine Leiche in Sanssouci im Gewölbeunter der Terrasse, welches er schon lange für sich vorbereitet hatte,beizusetzen, wurde nicht erfüllt. Das Todtenamt wurde auf feierlicheWeise in der Potsdamer Garnisonskirche celebrirt, den 8. Septemberwurde auch dort in einem unter der Kanzel hergerichteten Gewölbe,unter einem einfachen Grabsteine mit der gemeisselten einfachen abertief beredten Inschrift: »Fridericus IL« seine Leiche beigesetzt.

Sein Testament enthüllte der Welt völlig, was für einen Mann dieseund was für einen Monarchen Preussen verloren hatte. »Meine letztenWünsche«, heisst es am Schlüsse desselben, »bezwecken im Augen-blicke, wenn ich aus der Welt scheide, das Glück des preussischenStaates. Möge er immer mit unablässiger Aufmerksamkeit durch Weis-heit und Gerechtigkeit regiert werden. Möge er seinen milden Gesetzennach der glücklichste, seiner weisen Finanzverwaltung nach der reichste,der Tapferkeit und Ehre seiner Armee nach der stärkste Staat in derWelt sein! Möge er in Ewigkeit blühen und gedeihen! «

*) Napoleon I. nahm im Jahre 1806 diese Uhr zusammen mit dem Degen Fried-rich's und seinem schwarzen Adlerorden aus Potsdam mit und vermachte die erstereseinem Sohne und den Degen und Orden dem Pariser Invalidenhause; später aherwurden diese Gegenstände auf ihren früheren Platz nach Potsdam zurückgebracht.