8. Friedrich IL, König von Preussen, von der Thronbesteigung bis zum Tode. 255
Schlosses heraustragen und sass auf derselben einige Stunden in derSonne. Oft hörten die Diener, die hinter dem Stuhle standen, wie er aufdie Sonne blickend sagte: »Bald, bald werde ich dir näher sein!« —Im Mai siedelte er in sein geliebtes Sanssouci über. Aber der Sommerstellte seine Kräfte nicht wieder her: Tage und Nächte verbrachte er imgrossen Voltairelehnstuhl von Kissen umgeben. Ein ununterbrochenerStickhusten und öftere Brustkrämpfe gönnten ihm keine Ruhe und Schlaf,weder bei Tage noch bei Nacht. Dessen ungeachtet bewahrte er seineGeistesruhe, äusserte nicht das geringste Zeichen eines Schmerzes, nie-mals kam eine Klage über seine Lippen. In diesen letzten, allerschwerstenAugenblicken seines Lebens ging er mit der Dienerschaft auf die gnädigsteund menschenfreundlichste Weise um. Seinen Cabinetssecretären hin-gegen, die mit Unterlegungen um 7 Uhr Morgens kamen, befahl er um 4 Uhrzu erscheinen, indem er hinzufügte: »Entschuldigen Sie, meine Herren,dass ich Sie in den Nächten beunruhige. Mein Leben neigt sich demEnde zu. In solcher Lage muss ich die Zeit benutzen: sie gehört nichtmir, sonderndem Staate. Uebrigens«, setzte er lächelnd hinzu, »wirdIhre Beunruhigung nicht lange dauern.«
Zu dieser Zeit besuchte ihn der Herzog von Kurland. »Haben Sie,lieber Herzog, nicht einen Nachtwächter nöthig?«, sagte ihm Friedrichim Scherz. »Nehmen Sie mich in Dienst: ich verstehe es ausgezeichnet,die Nächte nicht zu schlafen.«
Sein Leibarzt Seile erschöpfte seine ganze Kunst, um, wenn auchnur in Etwas, seine Leiden zu lindern, musste aber einsehen, dass Allesvergebens sei. Die Schwester Friedrich's, die Herzogin von Braun-schweig, hatte ihn beredet, sich dem damals berühmten hannoverschenArzte Zimmermann (s. S. 254) anzuvertrauen. Aber auch dieser über-zeugte sich bald, dass alle menschliche Hülfe unnütz sei, jedoch zer-streute er wenigstens Friedrich durch seine kluge und heitere Unter-haltung. Aber seine Verantwortlichkeit und seinen ärztlichen Rufschonend, verliess er Potsdam vor dem Tode Friedrich's.
In der ersten Hälfte des August verschlimmerte sich der Zustand Fried-rich's bedeutend. Den 15. August schlief er. gegen seine Gewohnheit, bis11 Uhr Morgens. Die Aerzte erklärten, dass dieser Schlaf mit einer ent-scheidenden Krisis enden müsse. Friedrich erwachte, begrüsste heiter dieUmstehenden, befahl die Cabinetssecretäre zu rufen und dictirte ihnen mitschwacher, aber fester Stimme verschiedene Schriften und Depeschen.Dem Commandanten von Potsdam ertheilte er alle nöthigen Befehle hin-sichtlich der auf den nächsten Tag angesetzten Mannöver der Garnisonvon Potsdam. Alle freuten sich, da sie schon lange an dem Krankensolche Frische und Thätigkeit nicht gesehen hatten. Aber am folgendenMorgen, den 16. August, verlor er die Sprache, und sein Geist begann