254 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des IS. Jahrhunderts.
immer und überall mit Enthusiasmus empfangen und begrüsst. EinerseinerZeitgenossen 'der hannoversche Arzt Zimmermann) beschreibt seinAeusseres im Alter folgendermassen: »Er ist nicht von hohem Wüchseund erscheint wie gebeugt unter der Last von Lorbeeren und seiner lang-jährigen Mühen. Sein blauer Kock, abgetragen wie auch sein Körper,lange Stiefel bis über die Knie, eine weisse, mit verschüttetem Schnupf-tabak bedeckte Weste, boten einen etwas sonderbaren Anblick. Aberdas Feuer seiner Augen zeigte, dass Friedrich's Seele nicht gealterthatte. Trotzdem dass seine Haltung invalidenmässig war, so mussteman doch aus der Schnelligkeit seiner Bewegungen und der kühnen Ent-schlossenheit seines Blickes schliessen, dass er noch wie ein Jünglingkämpfen könne. Stellt seine unbedeutende Figur unter Millionen Men-schen, und jeder wird sogleich in ihm den König erkennen: so vielHoheit und Festigkeit war in diesem ungewöhnlichen Menschen!« —»In Sanssouci«, sagt derselbe Zeitgenosse, »herrschte solche Stille, dassman jeden Windhauch vernehmen konnte. Zum ersten Male kam ichin diese Einsamkeit Abends im Spätherbste. Ich war seltsam über-rascht, als ich vor mir ein kleines Haus sah und erfuhr, dass in dem-selben der Held wohne, der die Welt schon durch seinen Namen er-schüttert hatte! Ich umging das ganze Haus, näherte mich den Fenstern,sah in denselben Licht, fand aber vor den Thüren keine Schildwacht,begegnete auch keinem Menschen, der mich gefragt hätte: wer ich sei,was ich wolle? Da erst begriff ich die ganze Hoheit Friedrich's! Erhat zu seinem Schutze nicht bewaffnete Miethlinge und Geschützenöthig: er weiss, dass Liebe und Achtung des Volkes vor den Thürenseines kleinen Obdaches Wache halten. «
Seit dem Herbste 1785 verschlimmerte sich der GesundheitszustandFriedrich's sichtlich. Im August dieses Jahres waren wie gewöhnlichManöver der Truppen der Garnison von Potsdam, die sich im Uebungs-lager in der Nähe dieser Stadt befanden, angesagt. Friedrich wolltepersönlich die Truppen befehligen und verbrachte sieben Stunden un-unterbrochen auf dem Felde unter heftigem Regen bei Nordwind. Durchstarke Erkältung bei dieser Gelegenheit zog er sich die Brustwassersuchtzu. Trotz des heftigen Leidens stellte er seine gewohnten Beschäftigun-gen, die ihn ermüdeten und seine Krankheit verschlimmerten, doch nichtein. Im Januar 1786 betrübte ihn der Tod des ihm so theuren Ziethen.»Unser alter Ziethen«, sagte er, »hat selbst im Tode seine Bestimmungals General erfüllt. In Kriegszeiten hat er immer die Avantgarde ange-führt, auch im Tode ging er voran. Ich habe die Hauptarmee befehligt,und werde ihm folgen«.
Beim Beginne des Frühlings fühlte er eine Erleichterung, oft Hesser sich im Lehnstuhl auf die sogenannte grüne Terrasse des Potsdamer