252 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
imd der Mark errichtete er ein Creditsystem, das den Procentsatz ver-ringerte und den Werth der Güter erhöhte. Die Landesindustrie blühtein Folge des Verbotes der Einfuhr ausländischer Waaren auf: die Städtewurden durch neue öffentliche Gebäude und Denkmäler und die Dörferdurch Erbauung von Kirchen, Schulen, Waisenhäusern u. s. w. ge-schmückt. Im Jahre 1764 gründete er in Berlin eine Bank und schenktederselben 8,000,000 Thaler als Grundcapital. Im Jahre 1766 führte erdie Accisesteuer, nach Muster der französischen ein 'was jedoch sehr ge-tadelt wurde). Viele andere wohlthätige Staatsinstitutionen verdanktenihm ihre Entstehung in den Friedenszeiten nach dem siebenjährigenKriege. Den 31. März 1764 schloss er ein Bündniss mit Russland, kraftdessen er sich verpflichtete, die Wahl Stanislaus Poniatowsky's auf denpolnischen Thron und die Angelegenheiten der Dissidenten in Polen zuunterstützen. In der Absicht, West- und Ostpreussen mit Pommern undder Mark zu vereinigen und dadurch das preussische Reich zu arrondiren,trat er der ersten Theilung Polens bei (5. August 1772). Durch diese er-warb er das ganze polnische Preussen (das im Jahre 1466 von demdeutschen Orden an Polen abgetreten worden war), mit einem Theile vonGross-Polen bis zum Flusse Netze, aber mit Ausschluss von Danzig undThom, im Ganzen 630 Quadratmeilen Land, mit 600,000 Einwohnern,und in 14 Jahren, von der Zeit bis zu seinem Tode, hatte er in jederHinsicht die von Polen erworbenen Besitzungen, welche sich im äusserstenGrade in Unordnung und Verfall befanden, gänzlich umgestaltet, mankann sagen, zu neuem Leben erweckt und in einen blühenden Zustandversetzt. In Graudenz erbaute er eine starke Festung und im altenMarienwerder (der Hauptstadt des deutschen Ordens, auf Polnisch Kwyad-sin) errichtete er eine Kriegs- nnd Apanagenkammer. Im Jahre 1778widersetzte er sich nach dem Tode des kinderlosen Kurfürsten Maximi-lian Joseph der Besetzung eines bedeutenden Theiles von Baiern durchösterreichische Truppen, indem der Kaiser Joseph IL Ansprüche auf denerledigten bairischen Thron erhob, während diese dem näheren Thron-erben, dem Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz von Rechtswegenzukamen. Wenngleich der letztere darauf einging, seinen Rechten zuentsagen, so widersetzte sich dem doch als nächstberechtigter Erbe derHerzog Karl von Zweibrücken, im Vertrauen auf den Schutz Fried-rich's IL und des Kurfürsten August III. von Sachsen, der gesetzlicheRechte auf die Allodialnachfolge der bairischen Besitzungen hatte. Daaber Joseph IL seinen Rechten nicht entsagen wollte, schloss August III.ein Bündniss mit Friedrich IL und die Folge davon war der bairischeErbfolgekrieg, der weniger als ein Jahr dauerte (vom Juli 1778 bis zumMai 1779), nicht wichtig und in militärischer Hinsicht durch nichts be-merkenswerth war, der ohne jeglichen Kampf am 13. Mai 1779 mit dem