8. Friedrich II., König von Preussen, von der Thronbesteigung bis zum Tode. 251
und Niederschlesien nebst der Grafschaft Glatz (mit Ausnahme vonTroppau, Jägerndorf und Teschen sammt ihren Kreisen) in Folge desersten schlesischen Krieges, verwandte er grosse Sorgfalt auf die aller-beste Organisation Schlesiens und der preussischen Armee und auf diebedeutende Vergrösserung der Letzteren. Er erweckte die Industrie undden Handel durch Begründung von Fabriken und Anstalten, durch Er-, theilung von Geldunterstützungen und durch Berufung erfahrener Hand-werker und Künstler nach Preussen; er stellte die durch den Krieg inUnordnung gerathenen Finanzen wieder her und öffnete für diese neue,reiche Quellen; er rettete die Akademie der Wissenschaften zu Berlinvom Verfall, berief viele preussische und ausländische Gelehrte dahin undschuf zahlreiche andere wohlthätige Einrichtungen. Zu derselben Zeitverstärkte er, für den Fall eines neuen Krieges wegen Schlesiens, dieschlesischen Festungen durch neue Werke, speicherte in ihnen grossenKriegsbedarf auf und vergrösserte und vervollkommnete die Armee. Dieelf Jahre von dem Dresdener Frieden im Jahre 1745 bis zum Beginn dessiebenjährigen Krieges im Jahre 1756 benutzte er zur thätigen Verwaltungder inneren Angelegenheiten Preussens und seiner Armee, sowie zu eigenengelehrten und literarischen Beschäftigungen (in dieser Zeit nämlich ver-fasste er die »Memoires deBrandenbourg«, »Die Kriegskunst« und andereschriftstellerische Arbeiten in Prosa und Versen). Er war auf alle mög-liche Weise bemüht, in Preussen den Ackerbau, die Industrie, den in-neren und auswärtigen Handel, die Volksbildung, die Künste undWissenschaften zu entwickeln, zu kräftigen und in einen blühenden Zu-stand zu versetzen, die Staatsfinanzen, Gesetzgebung, Gerichtsverfassungund Kechtspflege zu verbessern, die Staatseinkünfte zu erhöhen, die Ar-mee zu vervollkommnen, deren Truppenzahl schon bis 160,000 Mannherangewachsen war — mit einem Worte Preussen auf die höchste Stufeder staatlichen Ordnung und des Wohlstandes zu erheben. Aus demsiebenjährigen Kriege ging er mit glänzendem Ruhm hervor, der ihm fürdie Zukunft einen entscheidenden Einfluss auf die politischen Angelegen-heiten Deutschlands und ganz Europas sicherte. Nach Beendigungdieses Krieges war seine erste hauptsächlichste Sorge, den erschöpften,durch den Krieg verwüsteten Gebieten Preussens Unterstützungen zu-kommen zu lassen. Er theilte den Bewohnern derselben aus den Staats-magazinen Kornvorräthe zum Lebensbedarf und zur Saat aus und denBauern 35,000 Cavallerie- und Artilleriepferde für ihre Feldarbeiten und3,000,000 Thaler an Geldunterstützungen; die niedergebrannten und zer-störten Häuser baute er für eigene Rechnung wieder auf, legte Sümpfetrocken, schuf neue Colonien, Fabriken, Landstrassen und Kanäle u. s.w.;Schlesien befreite er auf sechs Monate, die Neumark und Pommern aufzwei Jahre von allen Abgaben. Für den Adel in Schlesien, Pommern