7. Der siebenjährige Krieg. 247
Die gänzliche Erschöpfung der Finanzen, der Verlust der wichtigstenColonien und Seestreitkräfte zwangen Frankreich Friedensunterhand-lungen anzuknüpfen. England, das seinen Zweck erreicht, hatte keinenGrund mehr, den Krieg fortzusetzen, umsomehr, da derselbe schon sehrviel gekostet hatte (111,500,000 Pfund Sterling). Daher wurde dennzwischen diesen beiden Staaten in Paris den 10. Februar 1763 einSeparatfrieden geschlossen, dem auch Spanien und Portugal beitraten;Deutschland erklärte sich neutral und auf diese Weise blieben krieg-führend nur Oesterreich, Preussen und Sachsen. Maria Theresia aber,die ihren Zweck nicht bei Unterstützung starker Verbündeten erreichthatte, konnte jetzt noch weniger Erfolg erwarten, wo sie ihren eigenenKräften überlassen war; ausserdem waren die Finanzen Oesterreichs soerschöpft, dass im Keichsschatze nicht mehr übrig geblieben war, als dereinmonatliche Sold für die Armee. Daher beeilte sich auch Maria The-resia mit Friedrich Frieden zu schliessen, der den 15. Februar 1763 inHubertusburg unterschrieben wurde. Dieser Frieden war eine Bekräfti-gung der Tractate von Breslau und Dresden und bestätigte für immer dieAbtretung Schlesiens und der Grafschaft Glatz an Friedrich. Bald da-rauf trat auch das übrige Deutschland dem Frieden bei. Somit hatte derhartnäckige siebenjährige Krieg, welcher den betheiligten Staaten unge-heure Kosten und Verluste an Leuten verursacht, nur den EngländernNutzen und zwar einen sehr bedeutenden gebracht, denn Frankreich tratan England in Amerika Canada und die Insel Grenada, in Afrika dasSenegalgebiet, Spanien dagegen ganz Florida ab. Den übrigen Staatenbrachte er gar keinen wesentlichen Nutzen und sogar Friedrich gewannabgesehen von der Sicherung dessen, was er schon früher besessen, d. i.Schlesiens und der Grafschaft Glatz, nichts als Ruhm und die Bewunde-rung Europas; Preussen und Oesterreich blieben nach Beendigung desKrieges ganz in derselben Lage, in der sie sich vor Beginn desselben be-funden hatten.
§. 103.Schlussfolgerung über den Feldzug von 1762.
Im Feldzuge vom Jahre 1762 ist Friedrich, wie es seheint, nichtganz vorwurfsfrei 1) darin, dass er die Kriegsoperationen spät eröffnete,während er zum ersten Male im Laufe des ganzen Krieges an Streit-kräften überlegen war, 2) darin, dass er nach Anschluss des CorpsTschernitschew's nicht entschlossen genug operirte und 3) darin, dass erunzeitig die ihm noch im August angetragene Uebergabe von Schweidnitzzurückwi es. Im ersten und zweiten Punkte kann er noch dadurch gerecht-