246 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
mit Ausnahme eines kleinen Landstriches um Dresden herum. DieserErfolg war für Friedrich sehr wichtig, der im Falle des Friedens die Hoff-nung hegte, die Grafschaft Glatz gegen Sachsen wieder zurückzubekom-men. In dieser Hinsicht war der Feldzug des Prinzen Heimich trotz allerUnbedeutendheit seiner Operationen sehr erfolgreich und nach den Be-griffen der damaligen Zeit sogar energisch. Sehr bemerkenswerth ist,dass Prinz Heinrich von der ersten Hälfte des Mai bis zur zweiten Hälftedes September eine sehr gedehnte Aufstellung (40—50 Werst) von Frauen-stein im Erzgebirge bis zur Elbe bei Meissen einnahm, indem er inZwickau fast in seinem Kücken die 20,000 Mann starke Reichsarmeehatte, die er trotzdem nicht im Mindesten beachtete. Der Zweck einer der-artigen Aufstellung war, einen möglichst grossen Landstrich in Sachsenzu besetzen.
§. 102.
Die Operationen der Franzosen. Der Pariser und HubertusburgerFrieden und die Beendigung des Krieges.
Die Operationen der französischen Armeen mussten sich in diesemJahre trotz ihrer bedeutenden Streitkräfte einzig auf die Erhaltung dervon ihnen früher eroberten Länder beschränken. In Folge der Erschöpfungdes Landes begann der Feldzug erst Ende Juni. Die 80,000 Mannstarke französische Hauptarmee Soubise's und d'Estree's stellte sichzwischen Grebenstein und Wilhelmsthal in der Absicht auf, die verbün-dete Armee amüebergang über die Diemel zu hindern. Dessenungeachtetging der Herzog von Braunschweig über den Fluss, griff die Franzosenan, zwang sie, sich mit Verlust hinter die Fulda zurückzuziehen, folgteihnen nach Hohenkirchen, und nachdem er (23. Juli) das Corps des Prin-zen Xaver von Sachsen bei Lutternberg geschlagen hatte, begann er dieCommunicationen der Franzosen mit Frankfurt zu bedrohen, was Soubisezum Rückzug hinter die Nidda bewog. Unterdessen griff der Erbprinzvon Braunschweig, der gegen den Prinzen Conde in Westfalen operirte,auf die Nachricht, dass dieser zur Vereinigung mit Soubise marschire,ihn (30. August) bei Friedberg an, wurde aber geworfen. Darauf ver-einigten sich beide französischen Armeen, unternahmen aber nichts Ent-schiedenes. Der Herzog von Braunschweig hingegen belagerte (16. Oc-tober) Kassel und eroberte es (I. November). Dieses war die allerletzteOperation auf dem westlichen Kriegsschauplatze und im ganzen sieben-jährigen Kriege, weil am Tage der Eroberung Kassels, den 1. November,in Versailles zwischen Frankreich und England ein Waffenstillstand ge-schlossen wurde, in Folge dessen beide Parteien in Westfalen Winter-quartiere bezogen.