248 HI- Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
fertigt werden, dass die preussische Armee, durch denFeldzug von 1761bedeutend erschüttert, wahrscheinlich nicht früher ins Feld rückenkonnte und dadurch, dass er die Zurückberufung' des Corps Tscherni-tschew's nach nur 20tägigem Aufenthalte bei der preussischen Armeenicht vorhersehen konnte. Aber die Zurückweisung des Vorschlageshinsichtlich der Uebergabe von Schweidnitz war ein wichtiger Fehler, derdurch nichts gerechtfertigt werden kann: Friedrich hätte dadurch dass erdiese Festung 1 % Monat früher in seine Hände bekam, die nöthige Zeitgewonnen, Glatz und Dresden wieder zurückzuerobern.
Ueberhaupt wollten am Anfange dieses Feldzuges beide Parteien,die einen baldigen Friedensschluss vorhersahen, sich nicht der zweifel-haften Entscheidung einer grossen Schlacht unterziehen. Ausserdemsetzte Friedrich nur noch geringe Hoffnung auf seine Truppen, und dieOesterreicher, die nicht wie früher doppelt überlegene Streitkräftehatten, hielten sich für zu schwach. Daher bestand der Feldzug vomJahre 1762 theils aus Manövern, theils aus Defensivoperationen, grössten-theils aber aus Unthätigkeit oder unwichtigen Streifzügen, deren ZweckErhebung von Contributionen , Vernichtung feindlicher Magazine u. s. w.war, wodurch sich dieser Feldzug besonders von den übrigen unter-scheidet.
§. 104.
Schlussfolgerung über die letzten drei Feldzüge des siebenjährigen
Krieges.
Die Operationen Friedrich's in den letzten drei Feldzügen des sieben-jährigen Krieges waren auf dieselben Grundlagen und Erwägungen ge-stützt, wie in den ersten vier, nur mit dem Unterschiede, dass die Um-stände Friedrich zwangen, dahin zu streben, seinen Zweck mehr durchManövriren zu erreichen und sich nur in äussersten Fällen auf den Kampfeinzulassen. Die entschlossenen Offensiv-Defensiv-Operationen in denersten vier Feldzügen, fast mit dem beständigen Zwecke eines Kampfes,waren auf die Hoffnung begründet, dass die Siege der Preussen über dieVerbündeten diese Letztern zum Frieden zwingen würden. Als aber nachvier Feldzügen diese Hoffnung nicht in Erfüllung ging und die Streit-kräfte und Mittel Preussens sich bedeutend erschöpften, so war es nöthig,den früheren Operationsplan zu ändern; sonst hätte Friedrich durch seineErfolge Preussen bis zu dem Grade geschwächt, dass es schliesslichweder Streitkräfte noch Mittel für seine Vertheidigung gehabt hätte.Bereits am Anfange des Krieges (im Jahre 1757) sagte Friedrich mit demihm eigenen Scharfblick voraus, dass die Partei den Krieg mit Erfolg