Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

7. Der siebenjährige Krieg. 237

rationen der Verbündeten von diesen drei Seiten erleichterten ihm seineschwere Bestimmung. Die Unthätigkeit Daun's und der Keichsarmeebenutzend, beschränkte er sich auf die Beobachtung des Ersten und aufStreifzüge gegen die Letztere.

In Westfalen war der Erfolg auf Seiten des Herzogs von Braun-schweig, obgleich er im Felde nicht mehr als 60,000 Mann gegen die140,000 Mann starke französische Armee Soubise's und Broglio's hatte.In der ersten Hälfte des Februars überfiel der Herzog von Braunschweigdie Quartiere der Franzosen in Hessen und Thüringen und erzielteziemlich wichtige Erfolge bei Fritzlar und Langensalza; aber seineUnternehmungen gegen Kassel, Marburg und Ziegenhain wurden vonden Franzosen zurückgeschlagen. Obgleich die verbündeten TruppenAnfang April gezwungen waren, die von ihnen besetzten Landstriche zuräumen, so hinderten sie doch, nachdem sie viele französische Magazinevernichtet hatten, Soubise und Broglio die Offensivoperationen früherals im Juni zu eröffnen. Nachdem Broglio endlich seine Verproviantirunggesichert hatte, ging er über den Fluss Diemel, wurde aber den 15. und16. Juli bei Villingshausen (in der Nähe von Hamm) geschlagen und zogsich nach Kassel zurück, Soubise desgleichen hinter die Ruhr. Der übrigeTheil des Feldzuges verstrich in vergeblichen Versuchen Broglio's nachHannover durchzudringen und in der erfolglosen Belagerung Münstersdurch Soubise. Die Franzosen eroberten jedoch Wolfenbüttel, Osnabrückund Emden. Am Anfange des Winters kehrte Soubise zum Niederrheinund Broglio nach Hessen zurück.

Die Operationen der Schweden in' Pommern waren unbedeutend,die Gegenoperationen des preussischen Generals Belling indessen sehr be-merkenswerth, obgleich er im Ganzen nur 3000 Mann um sich hatte.Belling (der nach dem Ausspruche Friedrich's wie ein Held der Ritter-zeiten beständig kämpfte und niemals an ein und demselben Orte blieb)legte eine besondere Geschicklichkeit und ausserordentliche Kühnheit,Unternehmungsgeist, Thätigkeit und Vorsicht an den Tag. Er verhin-derte die Schweden, sich mit den Russen bei Kolberg zu vereinigen undbrachte ihnen in vielen Scharmützeln bedeutende Verluste bei.

§ 98.Sehlussfolgerung über den Feldzug vom Jahre 1761.

In keinem der vorhergehenden Feldzüge war Friedrich in so hohemGrade von seinen Gegnern bedrängt und operirte auf so beschränktemTerrain, wie im Feldzuge vom Jahre 1761. Er konnte gar keine Offen-sivoperationen vornehmen, weil die ihm an Streitkräften überlegenen