7. Der siebenjährige Krieg. 231
in die Grafschaft Glatz und nach Nord-Böhmen zurückgezogen, mit derAbsicht, aus den Gebirgen bis zur Ankunft der russischen Armee nichtherauszugehen. Friedrich seinerseits sandte Goltz mit seinem Corps nachGlogau, um die russische Armee zu beobachten. Die Letztere rlickteAnfang Juli nach Schlesien ein, ihren Marsch durch zahlreiche irreguläreCavallerie deckend, so dass Ziethen, der die Stelle des verstorbenenGoltz vertrat, nicht mit Gewissheit die Richtung ihres Marsches" er-kennen konnte. Aber der Marsch Laudon's über Wartha und Silberbergnach Frankenstein (nach dem Ausspruche Friedrich's ein ungeschick-ter) offenbarte die Absicht der Verbündeten, sich in Oberschlesien zu ver-einigen, und von der Zeit an war Friedrich stets bemüht, sich zwischenbeide feindliche Armeen zu stellen. Vermuthlich würde er, so wieim Jahre 1760, ihre Vereinigung verhindert haben, wenn nicht Bu-turlin etwas entschlossener als Soltikow operirt hätte, unter Anderm,weil die 0 esterreicher die Verpflegung der Armee auf sich genommenhatten, — und wenn Friedrich nicht so fest entschlossen gewesen wäre,einem Kampfe mit der russischen Armee auszuweichen, welche aus dem-selben Grunde auch späterhin unbehindert bei Leubus über die Oder gehenkonnte. Wenn Friedrich nur 10—12,000 Mann bei Leubus gehabthätte, so würde Buturlin wahrscheinlich vom Uebergange abgesehenhaben und der Feldzug hätte eine andere Wendung nehmen können.Der Marsch Laudon's nach Frankenstein nöthigte Friedrich, die De-tachements, welche die russische Armee beobachteten, zu sich heran-zuziehen und sich bei Nimptsch (27. Juli) aufzustellen. Laudon mar-schirte nach Münsterberg, indem er sich stellte, als ob er die FestungNeisse bedrohen wolle, in Wirklichkeit aber die Absicht hatte, nach Oppelnzu marschiren und sich dort mit Buturlin zu vereinigen. Friedrich, derfür die Festung Neisse fürchtete, entschloss sich, nach Karlowitz zumarschiren und für den Fall, dass Laudon ihm den Weg dorthin verlegensollte, sich mit ihm in einen Kampf einzulassen. Auf diese Weise mar-schirten beide Armeen nach Münsterberg, und obgleich Friedrich einegrössere Entfernung zurückzulegen hatte, kam er Laudon doch zuvor.Dabei ging das preussische Heer an den Oesterreichern, ganz in der Näheihrer rechten Flanke, fast auf Schussweite vorüber. Der Erfolg eines sokühnen Marsches ist dem moralischen Einflüsse Friedrich's auf Laudonund der Unordnung, die in der österreichischen Armee herrschte, zu-zuschreiben. Wenn dieser letzte Umstand Friedrich bekannt gewordenwäre, so hätte er, wenn er die österreichische Armee angegriffen, demganzen Feldzuge eine andere Wendung geben können.
Laudon, von Friedlich bei Münsterberg überholt, schlug Buturlinvor, bei Leubus über die Oder zu gehen, und blieb selbst, um Friedrichirre zu leiten, in seiner früheren Aufstellung und marschirte erst den