7. Der siebenjährige Krieg. 227
sinken begann, wieder herstellten und noch mehr dadurch, dass sie starkauf die Alliirten einwirkten, die schon die Hoffnung- aufgaben, das Zielzu erreichen, das sie sich vorgesteckt hatten.
Alle Märsche Friedrich's in diesem Feldzuge zeichnen sich durchKühnheit, Schnelligkeit und taktische Geschicklichkeit aus. Besondersseine beiden Märsche aus Sachsen nach Schlesien müssen mit Fug undRecht als musterhaft anerkannt werden. Alle diese Märsche sind ein Be-weis, dass die preussische Armee, nicht minder als die frühere, befähigtwar diese auszuführen und zum Manövriren durch ihre Beweglichkeitgeeignet war, obgleich sie, wie oben (§. 71) gezeigt, ganz aus Truppenbestand, die erst im Laufe des Krieges rekrutirt worden waren. In derThat standen die Truppen der Preussen in diesem Feldzuge, selbst nachdem Zeugnisse der Oesterreicher, nicht den ausgezeichneten Truppennach, mit welchen Friedrich den Krieg begann.
Die ungewöhnliche Thätigkeit Friedrich's und die Beweglichkeit derpreussischen Armee zwangen Daun sich auf Beobachtungen und auf dieunbedeutendsten Operationen zu beschränken. Da er seine Armee immerauf einer Ausdehnung von 30—40 Werst zerstreut hatte, konnte er nichtsEntscheidendes vornehmen, ohne zuerst einige Tage zu vorbereitendenOperationen zu verwenden. Friedrich aber, der ihn nicht aus dem Augeverlor und ihn scharf beobachtete, Hess ihm niemals Zeit, dies auszu-führen. Endlich entschloss sich Daun, um den Russen seinen von Solti-kow, einem ebenso unentschlossenen Manne, so sehr bestrittenen Unter-nehmungsgeist zu beweisen, sein Glück vor Liegnitz zu versuchen, hatteaber keinen Erfolg, und dieses Misslingen benahm ihm die Lust vonNeuem zu entschlossenen Operationen seine Zuflucht zu nehmen.
Schliesslich ist noch hinzuzufügen, dass unter den Operationen Fried-rich's in diesem Feldzuge nicht ganz begreiflich ist, erstens weshalb35,000 Mann unter dem Prinzen Heinrich im Anfange dieses Feldzugesohne Nutzen zur Beobachtung der russischen Armee verwendet wurden, danach den Erfahrungen der früheren Feldzüge und aus verschiedenen an-deren Gründen fast mit Gewissheit der Schluss gefolgert werden konnte,dass die russische Armee ihre Operationen sehr spät eröffnen würde, undzweitens weshalb Friedrich der Position bei Landshut eine solche Wich-tigkeit beilegte, die ihn den Verlust des Corps Fouque's kostete.
§.93.Sechster Feldzug, im Jahre 1761. Die Lage, die Streitkräfte, die Auf-stellung und die Operationspläne beider Parteien im Anfange des
Jahres 1761.
Der im October 1760 erfolgte Tod des Königs Georg IL von Eng-land brachte gar keine Veränderung in der europäischen Politik hervor,
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