226 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Verpflegung. Der augenblickliche Erfolg des Unternehmens Tscherni-tschew's. Tottleben's und Lascy's gegen Berlin hatte gar keinen wichtigenEinfluss auf den Gang und Erfolg des Feldzuges. Was die Reichsarmeeund die schwedischen Truppen anbelangt, so scheint es, dass sie sicham Kriege nur betheiligten, um die Truppenzahl zu vergrössern, unddass sie so gut wie gar nicht dort waren, wo Krieg geführt wurde, — sounmerklich, unnütz und unbedeutend waren ihre Operationen, die wohleher Unthätigkeit genannt werden müssen! Die Beziehungen der Reichs-armee aber zur österreichischen Armee sind thatsächlich unbegreiflich.Da der Herzog von Zweibrücken ein österreichischer General war, sokann man die sonderbare Rolle dieser Armee nicht einmal durch Zwistig-keiten zwischen ihm und Daun erklären. Schliesslich waren auch dieOperationen der französischen Armeen in Folge der Zwietracht zwischenBroglio und St. Germain nicht wichtiger und nicht nützlicher als dieOperationen der Reichsarmee und der schwedischen Truppen.
Die Operationen Friedrich's hingegen liefern ein ausgezeichnetesBeispiel eines mit 100,000 Mann gegen 225,000 Mann geführten Defen-sivkrieges, des geschicktesten Manövrirens und sorgfältiger Ausweichungdes Kampfes. Das Manövriren Friedrich's hatte im Allgemeinen dreiHauptzwecke: Erstens, seine Streitkräfte immer concentrirt haltend, warFriedrich bemüht durch schnelle Bewegungen auf dem kürzesten Wegein der Nähe des Feindes sich nach denjenigen Punkten zu wenden, diefür ihn besonders wichtig waren und denen die grösste Gefahr drohte;nachdem er dieses erreicht hatte, wartete er ab bis der Feind ihn an-greifen würde, obgleich er fest überzeugt war, dass dieser es nicht thunwürde; zweitens, bei diesen Bewegungen hatte er auch im Auge, mitüberlegenen Streitkräften über abgesonderte feindliche Detachementsherzufallen und sie in Theilen zu schlagen — und schliesslich drittens,war er bemüht gegen die Communicationen des Feindes zu operiren.Den Erfolg der Operationen Friedrichs mit dem ersten der drei Zweckeverstand Daun niemals zu hindern, weil er es theils nicht wagte, theilsnicht vermochte. Was aber die Operationen mit den beiden anderenZwecken anbelangt, so waren Friedrich's Bemühungen, obgleich keinDetachement Daun's abgesondert geschlagen worden war und diesernie seine Communicationen verloren, dennoch der Grund, dass Daun nachund nach alle seine Eroberungen einbüsste.
Bei der grössten Thätigkeit und Manövrirkunst wich Friedrich, inAnbetracht der für ihn zu jener Zeit so nöthigen Schonung der Truppen,sorgfältig dem Kampfe aus und nur die äusserste Notwendigkeit zwangihn den Kampf bei Liegnitz und Torgau aufzunehmen. Die in diesenbeiden Schlachten erzielten Erfolge waren für ihn dadurch sehr nützlich,dass sie in dem preussischen Heere die moralische Kraft, die schon zu