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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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7. Der siebenjährige Krieg. 225

und Ruhrort auf das linke Ufer über, belagerte Wesel und eroberteKleve, wurde aber bei Kloster-Camp vom Marquis De Castries geschlagen,der aus Düsseldorf gekommen war, und zog sich zur Hauptmacht seinerArmee zurück. Ende November blockirte der Herzog von BraunschweigGöttingen, und da er es nicht zu erobern vermochte, hob er im Decemberdie Blockade auf. Daraufhin bezogen beide Parteien Winterquartiere, dieverbündete Armee in Westfalen, Braunschweig und Hannover und diefranzösischen im Hessen-Kassel'schen.

Die schwedischen Truppen fielen, nachdem sie sich im Juli beiGreifswalde concentrirt hatten, in das preussische Gebiet erst im MonatAugust ein, und da sie keine preussischen Truppen vorfanden, mar-schirten sie unbehindert bis Prenzlau, wo sie lange, von dem schwachenpreussischen Detachement des Obersten Belling aufgehalten, in Unthätig-keit blieben. Der Marsch der russischen und österreichischen Truppennach Berlin gewährte ihnen volle Operationsfreiheit; aber nach Tscherni-tschew's Rückzug nach Frankfurt zwang sie ein unbedeutendes preussi-sches Detachement sich eiligst hinter die Peene zurückzuziehen.

§.92.Sehlussfolgerung über den Feldzug vom Jahre 1760.

Die Unbedeutendheit der Operationen der Alliirten in diesem Feld-zuge ist wirklich staunenswerth. 150,000 Mann verbündete Truppenhatten sich in Schlesien gesammelt, aber die verbündeten Feldherrenverstanden weder Friedrich (der 30,000 Mann hatte) im Kampfe zu schla-gen, noch ihn zu hindern, sich mit den 32,000 Mann des Prinzen Hein-rich zu vereinigen, noch ihn durch Manövriren aus Schlesien zu verdrän-gen, und um ihn nur los zu sein, sandten sie 35,000 Mann nach Berlinzur Parteigängerkriegführung! Indem sie nicht wagten, entschlossengegen Friedrich selbst zu operiren, verstanden sie es auch nicht die Ge-legenheit zu benutzen, als Friedrich sich aus Schlesien oder Sachsen ent-fernte und es ihnen fast gar nichts gekostet hätte diese Länder einzu-nehmen und gerade in die Mitte Preussens vorzurücken. Unter AnderemBot sich der Reichsarmee eine ausgezeichnete Gelegenheit dieser Art dar,nach der Entfernung Friedrich's aus Sachsen und der Besetzung dieses gan-zen Landes durch die Reichsarmee. Oben ist gezeigt worden, wie sie diesbenutzte, nämlich dadurch, dass sie sich bei der Annäherung Friedrich'seiligst nach Chemnitz zurückzog. Von allen verbündeten Feldherren warennoch die thätigsten Daun und Laudon; Soltikow hingegen verbrachte dieganze Zeit jenseits der Oder in gänzlicher Unthätigkeit, in üblichen De-batten mit den Oesterreichern und in Sorgen hinsichtlich der Truppen-

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 3. 10