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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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224 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

um diese Festung, die als Stützpunkt für die weiteren Operationen derHauptarmee dienen sollte, zu belagern. Die gelandeten Truppen eröff-neten von der Landseite und die Flotte vom Meere aus ein Bombarde-ment gegen Kolberg, aber die unerwartete Ankunft des von Friedrichabgeschickten Generals Werner mit 4 Bataillonen und 10 Escadronenwar die Ursache, dass das russische Belagerungscorps das Bombarde-ment einstellte, sich wieder einschiffte und von Kolberg absegelte.Die demselben von Soltikow gesandten Verstärkungen kamen bereits zuspät an.

Bald darauf als die russische Armee nach Frankfurt übergegangenwar, begab sich Soltikow krankheitshalber nach Posen und der Befehlüber die Armee wurde dem Generalfeldmarschall Grafen Buturlin an-vertraut. ImOctober blieb die russische Armee, welche theils in der Mark,theils in Pommern aufgestellt war, in Unthätigkeit, und nur Tottieben,der mit seinem Corps über die Oder gegangen war, verwüstete die Uker-mark, war aber mit der Ankunft der Detachements Werner's lind desPrinzen von Würtemberg gezwungen, sich zurückzuziehen. NachdemButurlin im November von dem Resultate der Schlacht bei Torgau Nach-richt erhalten und sich von der Unmöglichkeit in der Mark zu überwintern,überzeugt hatte, entfernte er sich mit der Armee nach Posen und Hessdieselbe hinter der Warthe Winterquartiere beziehen.

Laudon, der mit 40,000Mann in Schlesien geblieben war, konnte sichzu keinem irgendwie entscheidenden Unternehmen entschliessen, bevornicht die Festung Kosel erobert worden, obgleich er einer der unter-nehmendsten Generäle der österreichischen Armee war. Er begann Koselzu bombardiren; aber die Annäherung Goltz's mit 10,000 Mann preussi-scher Truppen zwang ihn sich nach Oberschlesien zurückzuziehen, undbald darauf bezogen die Truppen Winterquartiere.

Die französischen Armeen, verstärkt auf 125,000 Mann, unter-nahmen trotz ihrer Ueberlegenheit an Streitkräften über die 70,000 Mannstarke Armee des Herzogs von Braunsehweig nichts Entscheidendes,und der von ihnen unternommene Feldzug, wenngleich er mit einigenVortheilen für sie endigte, bietet jedoch nichts Bemerkenswerthes. DerHauptgrund davon war die gegenseitige Feindschaft Broglio's und St.Germain's, der beiden Oberbefehlshaber. Im selben Sommer eroberteBroglio Marburg und Dillenburg und schlug bei Korbach (10. Juli) denErbprinzen von Braunsehweig. Obgleich die französischen Detachementsspäterhin bei Emsdorf und Warburg an dem Flusse Diemel geschlagenwurden, so nahmen die Franzosen gegen Ende September doch alleHessen-Kassel'schen Besitzungen ein. Zu dieser Zeit führte der Erb-prinz von Braunschweig-mit 20 Bataillonen und 10 Escadronen einenschnellen und kühnen Marsch an den Niederrhein aus, ging bei Rees