222 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
§.90.Die Schlacht bei Torgau (3. November).
Daun hatte bei Torgau eine sehr starke Position inne. In der Frontewar sie vom sumpfigen Bache Rohrgraben, der steile Ufer hatte, gedeckt;ihr linker Flügel stiess an die Elbe, die Festung Torgau und an denGrossen Teich, während der auf den Anhöhen hinter dem Dorfe Siptitzsich befindende rechte Fitigel an den Dommitzscher Wald stiess. Der ein-zige Mangel dieser Position bestand darin, dass sie bei grosser Ausdehnungeine zu geringe Tiefe hatte. Friedrich, der sie unzugänglich von der lin-ken Flanke und Fronte fand, marschirte den 3. November von Schiidain vier Colonnen mittelst eines Flankenmarsches nach links und befahlZiethen mit einem Theile der Armee (21 Bataillonen und 54 Escadronen)die Oesterreieher in der Fronte zu beschäftigen, sie aber nicht früheranzugreifen, bis er (Friedrich) selbst mit dem andern Theile der Armee(41 Bataillonen und 48 Escadronen) ganz ihre rechte Flanke umgangenhaben und in der Flanke und im Rücken angreifen würde. Im Falleeines Erfolges darin hätte die österreichische Armee, in der Fronte, rech-ten Flanke und im Rücken angegriffen, an die Elbe zurückgeworfen undsogar bei der geringen Tiefe ihrer Aufstellung gänzlich vernichtet wer-den können. Aber zufällige, nicht vorhergesehene Umstände vereiteltenden nicht ganz regelrechten und vorsichtigen Plan Friedrich's, weil der-selbe auf einen gleichzeitig von verschiedenen Seiten unternommenenAngriff zweier abgesonderter Armeetheile auf einen numerisch überlege-nen, concentrirten und in starker Position aufgestellten Feind sich grün-dete. Ziethen erreichte die Position der Oesterreieher früher als Fried-rich erwartet hatte und eröffnete aus seiner Artillerie Feuer auf die Trup-pen der österreichischen Avantgarde. Friedrich, der das Feuer des Zie-then'schen Corps vernahm und voraussetzte, dass dieser sich schon impersönlichen Kampfe befände, und befürchtete, dass er abgesondert ge-schlagen werden könnte, griff, ohne seinen Umgehungsmarsch zu vollen-den und die Ankunft seiner Truppen abzuwarten, nur mit 10 Bataillonen,welche die Avantgarde bildeten und die er unter der Hand hatte, denösterreichischen rechten Flügel in der Fronte an. Diese Attake, die we-der von der Artillerie, noch von der Reiterei, welche in entfernten Co-lonnen durch den Wald von Dommitzsch marschirten, unterstützt werdenkonnte, wurde zurückgeschlagen, sowie auch einige andere Angriife,die von der Infanterie in Theilen, nach Massgabe ihres Ileranrückens ge-macht wurden. Die später angelangte Reiterei stellte ein wenig den Kampfher, aber der Erfolg blieb trotzdem unentschieden. Inzwischen bemerkteZiethen, dass das Feuern von Seiten Friedrich's schwächer wurde und sichmehr und mehr entfernte, und schloss daraus, dass der Angriff keinen