220 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
kow's Einwilligung zu einem Operationsplan zu erlangen, nach welchemdie russische Armee Glogau bedrohen und das Corps Tschernitschew's nachBerlin schicken sollte, wohin auch Dann das Corps Lascy zu senden ver-sprach. In der That gingen am 9. (20.) September 20,000 Mann Küssenunter dem Befehle Tschernitschew's und des Generalmajors Grafen Tott-ieben bei Beuthen über die Oder und marschirten schnell über Guben undBeeskownach Berlin, während Lascy mit 15,000 MannOesterreicheru ausder Lausitz sich gleichfalls dorthin begab. Soltikow aber, dem es an denzur Belagerung Glogau's nöthigen Mitteln fehlte, gab dieselbe auf undging am 25. September (G. October) nach Frankfurt.
Als der Anmarsch von 35,000 Mann verbündeter Truppen auf Ber-lin bekannt wurde, sammelten sich dortselbst: ein Theil der TruppenHülsen's aus Sachsen und die Truppen des Prinzen von Würtemberg ausPommern, im Ganzen gegen 14,000 Mann, und Friedrich selbst, über-zeugt, dass Daun, seiner gewohnten Vorsicht und Unentschlossenheit ge-mäss, bei vorgerückter Jahreszeit (im October) in Schlesien nichts Wich-tiges unternehmen würde, verstärkte seine Garnisonen in Breslau undSchweidnitz, beliess in Schlesien den grössten Theil seines Trains undeilte mit seiner ganzen Armee nach Berlin.
Die preussischen Truppen, die sich in Berlin gesammelt hatten, be-reiteten sich vor, Tschernitschew und Tottieben zurückzuschlagen, zogensich aber bei Herannahen Lascy's nach Spandau zurück und Berlin capi-tulirte. Die Alliirten erhoben von der Stadt eine grosse Geldeontribution,zerstörten die Kanonengiesserei und die Münze, vernichteten die Pulver-magazine und -Mühlen, plünderten das Arsenal, zogen sich aber zurück,als sie von dem Anmärsche Friedrich's aus Schlesien nach Berlin er-fuhren : Tschernitschew und Tottleben nach Frankfurt und Lascy nachTorgau.
Friedrich beabsichtigte Tschernitschew und Tottieben von Soltikowabzuschneiden und den Letzteren anzugreifen, indem er sich von Gubennach Frankfurt wandte. Als er aber von dem Rückzüge Tschernitschew's,Tottleben's und Lascy's aus Berlin Kunde erhielt, erachtete er es für noth-wendig, sich nach Sachsen zu wenden, wo inzwischen seine Angelegen-heiten eine für ihn sehr unvortheilhafte Wendung (s. unten) genommenhatten und Hülsen genöthigt worden war sich bis nach Wittenberg zu-rückzuziehen. Er überzeugte sich noch mehr von der Notwendigkeitseines Marsches nach Sachsen, als er erfuhr, dass Soltikow sich willig er-klärt habe den Winter zwischen der Oder und Warthe zu verbleiben,aber nur unter der Bedingung, dass die Oesterreicher Torgau eroberten.In Folge dessen beliess Friedrich Goltz mit 12,000 Mann in Schlesien undmarschirte selbst von Lübben nach Rosslau an der Elbe, unterhalb Witten-tenberg. Daun seinerseits beliess in Schlesien Laudon mit 40,000 Mann