7. Der siebenjährige Krieg. 219
nitschew Überlief, an den Prinzen Heinrieh eine schriftliche Nachrichtüber den von der preussischen Armee errungenen Sieg und über denMarsch derselben zur Vereinigung mit dem Prinzen Heinrich, um sodannmit vereinten Kräften die russische Armee anzugreifen. Diese List hattevollständigen Erfolg: Tschernitschew beeilte sich hinter die Oder zurück-zugehen und verbrannte hinter sich die Brücke bei Auras. NachdemFriedrich sich auf diese Weise den Weg nach Breslau frei gemacht, ver-einigte er sich schliesslich mit dem Prinzen Heinrich und gönnte seinenTruppen Erholung, deren sie äusserst bedürftig waren.
Daun und Soltikow beriethen und zankten sich unterdessen, ver-loren umsonst Zeit und konnten sich gar nicht einigen. Schliesslich sagtesich Daun von der Erhaltung der Communication mit der russischen Ar-mee über Auras los und da er seine Stellung hinter der Katzbach für un-gemein gefährlich erachtete, zog ersieh eiligst zurück, und indem ersich in der Nähe von Striegau aufstellte, war er nur bemüht Friedrichvon Schweidnitz abzuschneiden. Soltikow aber, damit unzufrieden, zogsich nach Militsch zurück. Prinz Heinrich marschirte ihm bis Trebnitznach. Am 14. (25.) August ging Soltikow nach Herrnstadt und Friedrich,in der Voraussetzung, dass ersieh gänzlich nach Polen zurückziehe, HessGoltz mit 16 Bataillonen und 34 Escadronen (12,000 Mann) um ihn zubeobachten und wandte sich mit den übrigen 59 Bataillonen, 114 Esca-dronen und 245 Geschützen (etwa 50,000 Mann) gegen Daun, in derAbsicht ihn nach Böhmen zurückzudrängen. Friedrich, der es nichtwagte sich in einen entscheidenden Kampf einzulassen, begann zu ma-növriren, beständig die Flanken Daun's umgehend und seine Communi-cationen bedrohend, und indem er so operirte, drängte er ihn allmäligvon Schweidnitz zurück und eröffnete die Communication mit dieser Fe-stung. Diese Operationen sind bemerkenswerth nur durch die ungewöhn-liche Kühnheit Friedrich's und die äusserste Unentschlossenheit Daun's.welcher sich trotz seiner bedeutenden Ueberlegenheit an Streitkräftenausschliesslich auf die Defensive beschränkte.
§. 89.
Operationen in Brandenburg und Sachsen : Tschernitschew und Lascy
marsehiren nach Berlin und von da nach Torgau. Friedrich folgt
ihnen. Die Operationen in Sachsen.
Nachdem Daun die Communicationen mit der russischen Armeegänzlich verloren hatte, gebrauchte er, da er Friedrich los zu werdenwünschte, alle Mittel, um diesen zu zwingen sich auf die andere Seite zuwenden. Endlich glückte es ihm, wenngleich mit grosser Mühe, Solti-