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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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7. Der siebenjährige Krieg. 217

rückzuziehen. Daraufhin nahmen die Oesterreicher ihre frühere Stellungein und Soltikow ging mit der russischen Armee nach Auras.

§.87.Die Sehlaeht bei Liegnitz (15. August).

Daum, ermuntert durch den Erfolg bei Goldberg, entwarf einenweitgreifeuden complicirten Angriffsplan, zufolge dessen Friedrich am15. August zu gleicher Zeit von verschiedenen Seiten überfallen werdensollte. Lascy sollte bei Kobisch und Rochlitz über die Katzbach gehenund die Preussen im Rücken angreifen, Laudon bei Klein-Schildern denFluss überschreiten und ihnen den Weg nach Glogau abschneiden, undDaun selbst bei Kroitsch und Hohendorf über die Katzbach gehen undihre rechte Flanke fassen. Zur Sicherstelluug des Rückens der Oester-reicher ging das 24,000 Mann starke russische Corps des Grafen Tscher-nitschew bei Auras auf das linke Oderufer über.

Friedrich seinerseits, der nichts von den Absichten Daun's wussfe undnicht mehr als auf drei Tage Proviant hatte, beschloss bei Liegnitz überdie Katzbach zu gehen, Proviant von Glogau herbeischaffen zu lassen, mitder Armee nach Parchwitz vorzurücken und, die rechte feindliche Flankeumgehend, zu dem Prinzen Heinrich zu stossen. Nach den Worten Fried-rich's Hess ihn der Uebergang des Corps Tschernitschew's über die OderVerdacht schöpfen, dass die Oesterreicher ihn anzugreifen beabsichtigten,weshalb er, die Nachtheile seiner Position kennend, ohne Verzug in derNacht vom 14. auf den 15. August nach Pfaffendorf marschirte. Zurselben Zeit ging Laudon in drei Colonnen über die Katzbach bei Klein-Schildern und, nichts von den Bewegungen Friedrich's ahnend, marschirteer ohne Avantgarde und ohne Vorsichtsmassregeln nach Töpferberg, indemer sich beeilte die preussische Wagenburg zu erreichen, die Tags zuvornoch dort gestanden hatte. Auf diese Weise begegneten sich Friedrichund Laudon ganz zufällig und unerwartet. Ein anderer, weniger ent-schlossener Feldherr hätte sich an Friedrich's Stelle vielleicht zurück-gezogen ; aber Friedrich, der seine Truppen schlagfertig hatte, erkanntealle Vortheile eines plötzlichen Ueberfalles über Laudon und beschlossdie sich ihm bietende günstige Gelegenheit zu benutzen. Er beliessZiethen mit 15 Bataillonen und 45 Escadronen in der Umgegend vonLiegnitz um Daun zu beobachten und griff selbst mit 21 Bataillonenund 35 Escadronen (gegen 14,000 Mann) Laudon, welcher 32-,000 Mannhatte, unerwartet an und erfocht nach einem hartnäckigen Kampfeeinen vollständigen Sieg. Laudon hatte 6000 Mann an Todten undVerwundeten und 10,000 Mann au Gefangenen, 82 Geschütze und 23Fahnen verloren und zog sich in Unordnung hinter die Katzbach zurück.