6. Der siebenjährige Krieg. 201
in seinen Zwistigkeiten mit Daun, Laudon und den Oesterreichern über-haupt, theils aber auch in geheimen politischen Gründen suchen.
Schliesslich muss hinzugefügt werden, dass bei Erwägung der Ope-rationen im Feldzuge vom Jahre 1759 überhaupt in's Auge fallen:
1) die ungewöhnlich häufige, fast beständige Anwendung vonFlankenmärschen und Umgehungen, sowohl seitens kleiner Detache-ments, als ganzer Armeen, abgesonderter Generale und Oberfeldherrenund seitens Friedrich's selbst. Wie es schien, waren diese die beliebte-sten militärischen Operationen in diesem Feldzuge. Indessen liefertender Misserfolg der Oesterreicher bei Dommitsch, das Schicksal Fink's undeinige andere Fälle den hinlänglichen Beweis, dass durch Flankenum-gehungen und die Absendung eines abgesonderten Corps in den Rückender Armee nicht immer diese zürn Rückzuge gezwungen werden könne,und dass solche Operationen grösstentheils unbedeutende, aber jedenfallssehr gefährliche Mittel sind.
2) Einige Eigenthümlichkeiten. So z. B. war die Reichsarmee,20,000 Mann stark, zweimal in diesem Feldzuge (vier "Wochen im Septem-ber und October hinter dem Plauen'schen Grunde und dann bei Pirna)hinter der österreichischen Armee aufgestellt, aber nicht als Reserve, inwelchem Falle die Aufstellung derselben eine andere gewesen wäre.Dies kam daher, wie man annehmen muss, dass die Oesterreicher wahr-scheinlich es für unzulässig oder für unnütz erachteten, die Reichs-armee im ersten Treffen aufzustellen. Daraus kann man schliessen, wiedie Reichsarmee beschaffen war.
§.81.Schlussfolgerung über die vier ersten Feldzüge im siebenjährigen
Kriege.
In den ersten vier Feldzügen des siebenjährigen Krieges ist bestän-■ dig eine gleiche Operationsart, sowohl seitens Oesterreichs und seinerVerbündeten, als seitens Friedrich's sichtbar.
Oesterreich und seine Verbündeten operirten gegen Preussen offen-siv von vier Seiten mit sechs Armeen : 1) von Süden mit der österrei-chischen und Reichsarmee aus Mähren, Böhmen und Franken gegenSchlesien, die Lausitz und Sachsen, 2) von Osten mit der russischenArmee aus Polen gegen Ostpreussen und die Oder, 3) von Westen mitzwei französischen Armeen vom Niederrhein gegen Westfalen, Hannoverund Sachsen und 4) von Norden mit der schwedischen Armee aus Pom-mern, von Stralsund gegen Brandenburg. Das beständige Ziel der Ver-bündeten war, von allen vier Seiten und mit allen Armeen zu gleicherZeit gerade in die Mitte Preussens einzurücken, was sehr schwer, wenn