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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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200 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

entschieden gegen Friedrich zu operiren. Im Allgemeinen hatten dieOperationen Daun's gar keinen bestimmten Zweck: die Ursachen allerseiner Unternehmungen sind räthselhaft geblieben, weil sie unbedeutendwaren. Nur ein beständiges. unabgeändertes, positives Ziel blickt inallen seinen Operationen durch das Streben nach Vereinigung mit derrussischen Armee. So hielt sich auch Soltikow, der 60,000 Mann umsich hatte, noch für zu schwach und forderte beständig von Daun Ver-stärkungen. Und Daun, der seinen Kiickzug nach Polen fürchtete,sandte ihm Verstärkungen und bemühte sich auf alle mögliche Weisedie Communicationen mit ihm zu unterhalten. Mit einem Worte, es schien,dass sowohl Daun als Soltikow nicht anders gegen Friedrich zu ope-riren für möglich hielten, als mit beiden Armeen vereint oder bessergesagt, wenn eine an die andere lehnte, und dass sie in Anstrengungenund Bemühungen darüber und in gegenseitiger Unzufriedenheit und Zwie-tracht Friedrich, den Zweck des Krieges und das Ziel ihrer Handlungen,ganz vergassen. Nach der Schlacht bei Kunnersdorf wäre es ihnen sehrleicht und bequem gewesen ihre Verbindung. auf die sie so grosses Ge-wicht legten, zu bewerkstelligen. Aber dieser traten hindernd entgegenseitens Soltikow's dessen Beharrlichkeit, dass gegen Friedrich nicht alleindie russische Armee, sondern auch die österreichische, welche bis dahinin Unthätigkeit verblieben war. unmittelbar operiren und die letztere sichder ersteren anschliessen sollte, seitens Daun's hingegen theils seineUnentschlossenheit, hauptsächlich aber, wie es scheint, der Wunsch derOesterreicher, dass die russische Armee allein die unmittelbaren Opera-tionen gegen Friedrich fortsetzen und die österreichische ihr nur dienöthige Unterstützung gewähren sollte. Wenn aber die Verbindung bei-der Armeen unmöglich war, so hätte Daun, der nach der Schlacht beiKunnersdorf bei Sorau 30,000 Mann hatte, mit Heranziehung Haddiksund sogar Laudon's, mit 52 57,000 Mann gegen das 25 27.000 Mannstarke Heer Friedrich's entschieden und kühn, ohne einen Misserfolg be-fürchten zu müssen, operiren können. Aber dieses entsprach weder sei-nem Charakter, noch stimmte es mit der Operationsmethode Daun'süberein. Ausserdem dachten weder er noch Soltikow daran, dass es hin-länglich gewesen wäre, um Friedrich und Preussen zu stürzen, wenn sieübereinstimmend, den allgemeinen Zweck im Auge und entschieden,wenngleich auch einzeln operirt hätten.

Zu dem, was oben über Soltikow gesagt ist, muss noch hinzugefüg ,werden, dass er vor der Schlacht bei Kunnersdorf gar nichts von denMarschbewegungen Friedrich's wusste und nach der Schlacht den Siegnicht ausnutzte und späterhin sich von seinen Communicationen mit Daundurch Friedrich abschneiden Hess. Die Erklärung davon muss man theils