198 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
marschirte und die übrigen zwei Drittheile in Schlesien gegen Daun undin Sachsen gegen die Reichsarmee zurückliess, anstatt vier Monate inSchlesien bei Landshut und Schmottseifen in Unthätigkeit zu verbleibenund gegen die Russen nur das schwache Corps Dohna's zu belassen, dener nach und nach verstärkte, während er selbst erst nach Ablauf der be-sagten Zeit zur Oder marschirte;
2) weshalb Friedrich, als Daun bei Mark-Lissa stand, sich nichtgegen ihn von der Fronte, zwischen ihn und Soltikow, sondern an seinerFlanke aufstellte, wodurch er ihm gestattete Laudon und Haddik zurOder zu senden und schliesslich selbst dorthin zu marschiren;
3) weshalb Friedrich das 20,000 Mann starke Corps Fink's in denRücken und auf den Rückzugsweg zweier feindlicher Armeen, die gegen100,000 Mann zählten, d. h. in ein sicheres Verderben sandte und dabeiFink nicht deutlichere und bestimmtere Befehle gab;
4) weshalb Prinz Heinrich, der nach der Schlacht bei Kunnersdorfnach Görlitz und dann nach Hoyerswerda marschirt war, dabei die be-deutende Zerstückelung der Armee Daun's nicht benutzte, um die ab-gesonderten Corps und Detachements einzeln zu besiegen.
Einige Operationen der Preussen, wie z. B. ihre Unternehmungengegen die Magazine in Polen, Mähren, Böhmen und Thüringen, welchederzeitige Schriftsteller für wichtig erachten und schildern, waren un-bedeutend; einige andere aber waren nutzlos, wie z. B. die Offensiv-operationen des Prinzen Heinrich am Anfange des Feldzuges gegen dieReichsarmee, die nicht zu entschiedenen Operationen bestimmt war undimmer die Möglichkeit hatte sich zurückzuziehen.
Aber allgemein genommen, waren die Operationen des Herzogs vonBraunschweig, des Prinzen Heinrich und der übrigen preussischen Ge-nerale, und besonders die Friedrich's selbst, geschickt, den Umständenentsprechend. Friedrich verfuhr sehr richtig, indem er sich-vornahm indiesem Feldzuge defensiv zu operiren und denselben nicht mit Offensiv-operationen zu beginnen, die Eröffnung der Operationen seitens seinerGegner abzuwarten, die Fehler der letzteren zu benutzen, Schlachtenauszuweichen und zu manövriren. Die Zerstörung feindlicher Magazine,,die Erhebung von Contributionen im feindlichen Lande und das Zurück-drängen der Reichsarmee nach Franken waren keine wichtigen Opera-tionen und brachten ihm geringen Vortheil, waren dafür aber auch ohneMühe, Gefahr und Verluste für ihn. Die Niederlage bei Kunnersdorfbrachte ihn und Preussen an den Rand des Verderbens; trotz alledemgewannen die Verbündeten am Ende des Feldzuges ausser der EroberungDresdens und der Schwächung Friedrich's nichts, und beide Parteienblieben in ihrer früheren gegenseitigen Lage. Der Verlust Dresdens unddie numerische Schwächung der preussischen Armee waren für Friedrich