6. Der siebenjährige Krieg. 197
konnte jedoch Contades bei den Bergpässen von Münden nicht zuvor-kommen, sondern. indem er über Wolfhagen seine linke Flanke um-ging, zwang er ihn. sich nach Vereinigung mit Armentiere hinter dieFlüsse Edder und Ohm zurückzuziehen. Er fuhr fort allmälig seine linkeFlanke zu bedrohen, und drängte schliesslich Contades hinter die Lahnnach Giessen zurück. In dieser Stellung verblieben beide Armeen ziem-lich lange unter Führung des kleinen Krieges: inzwischen belagerteImhof, der mit 6000 Mann nach Westfalen gesandt worden war, Münsterund eroberte es (Ende November). Bald darauf wurde Broglio an dieStelle Contades' gesetzt; alsbald zog er sich von Giessen nach Butzbachund Friedberg zurück. Der Herzog von Braunschweig blockirte Giessen.aber der Angriffsmarsch der Franzosen gegen seine Fronte und beideFlanken zwang ihn die Blockade dieser Stadt aufzuheben und sich nachMarburg zurückzuziehen, wobei Armentiere, der von Wesel am Rheinheranmarschirte, bei Dillenburg von Wangenheini angegriffen und einTheil seiner Truppen umzingelt und geschlagen oder gefangen genom-men wurde. Damit endeten im Jahre 1759 die Kriegsoperationen inWestfalen und beide Armeen bezogen Winterquartiere : die französischevon Giessen bis zum Hunsrück, die verbündete wie früher in den Bis-thtimern Münster. Osnabrück und Paderborn,' endlich das Corps Imhofim Hesseii-Kassel'schen.
Auf diese Weise erlangten durch den Sieg bei Minden die Verbün-deten all ihre am Anfange des Feldzuges verlorenen Länder wiederzurück, und beide Parteien befanden sich in ihrer früheren Lage, nurmit dem Unterschiede, dass die Verbündeten ein bedeutendes moralischesUebergewicht über die Franzosen erlangt hatten.
§. 80.Sehlussfolgerung über den Feldzug vom Jahre 1759.
Die Operationen Friedrich's im Jahre 1759 waren im Ganzen ge-schickt , wenngleich im Einzelnen einige von ihnen ziemlich sonderbarerscheinen oder nicht ganz verständlich und vorwurfsfrei sind. Die Ope-rationen seiner Gegner hingegen sind nur in einiger Hinsicht nicht werth-los, verdienen aber im Allgemeinen strengen Tadel. In den OperationenFriedrich's wie auch des Prinzen Heinrich scheint sonderbar und un-begreiflich :
1) weshalb Friedrich, der aus triftigen Gründen beschlossen hatte,nicht offensiv, sondern defensiv zu operiren und. Daun nur aufhaltend,mit der russischen Armee zu kämpfen, nicht gleich am Anfange des Feld-zuges persönlich gegen die Russen mit einem Drittheil seiner Armee