Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

0. Der siebenjährige Krieg. ] 89

§.75.

Schlussoperationen der russischen Armee. Ihr Rückmarsch und derMarsch Friedrichs nach Sachsen.

Soltikow, aufs Aeusserste unzufrieden mit dem Marsche Daun's nachSachsen und damit, dass er in Christianstadt keinen Proviant vorfand,den Daun für die russische Armee zu beschaffen sich verpflichtet hatte,entschloss sich sofort hinter die Oder zurückzugehen. Aber aufs Neuebe-wog ihn Montalembert, anstatt nach Krossen nach Karolath [auf der rech-ten Seite der Oder) zu gehen, wohin inzwischen auch die Provianttrans-porte aus Polen gesandt worden waren. Zu der Zeit erreichten die zwi-schen Soltikow und Laudon entstandenen Zwistigkeiten einen so hohenGrad, dass von der russischen Armee gar keine entschiedenen Operatio-nen zu erwarten waren. Den 12./23. September marschirte Soltikowüber Freistadt nach Karolath. Friedrich folgte ihm von der Seite, indemer ihm den Weg nach Glogau verlegte, und war bereit, sich mit ihm ineinen Kampf einzulassen, obgleich er nicht mehr als 24,000 Mann beisich hatte. Aber Soltikow, in der Voraussetzung, dass Friedrich bedeu-tend stärker sei, ging bei Karolath auf die rechte Seite der Oder überund, unzufrieden mit Laudon, wäre er wahrscheinlich wohl sofort nachPolen zurückgegangen, wenn ihn nicht der zweimal von seinem Hofeihm zugegangene Befehl, gegen Breslau zu operiren, gezwungen hättesich nach Herrnstadt zu wenden. Unterdessen marschirte Friedrich,nachdem er einige Verstärkungen erhalten hatte, gerade nach Glogauund deckte mit einem Truppentkeile diese Festung von dem rechten Uferder Oder, und als Soltikow nach Herrnstadt seine Richtung nahm, mar-schirte er die Oder am linken Ufer aufwärts, ging bei Koben auf dasrechte Ufer über, sandte ein Bataillon nach Herrnstadt und stellte sichbeständig so, dass er Soltikow den Weg nach Breslau verlegte. Solti-kow aber, der es nicht vermochte, Herrnstadt mit Gewalt zu nehmen,bombardirte und äscherte die Stadt ein und zog sich in der ersten Hälftedes Octobers (a. St.) nach Posen zurück. Laudon kehrte über Polen nachMähren zurück, und Friedrich, nachdem er einen Truppentheil nachTrachenberg und Oberschlesien zur Beobachtung Soltikow's .und Lau-don's abgeordert hatte, sandte am 29. October seine Hauptmacht (19 Ba-taillone und 30 Escadronen, im Ganzen gegen 17,000 Mann) unter demBefehle Hülsen's zum Prinzen Heinrich nach Sachsen, wohin er sich auchpersönlich begab.