186 III. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Der unerwartete Uebergang des Prinzen Heinrich von der Defensivezur Offensive, sein Marsch, der die Communicationen und Magazine derösterreichischen Armee bedrohte, und die Nachricht von dem MarscheFink's nach Sachsen brachten Daun in die äusserste Verwirrung undVerlegenheit. Einerseits fürchtete er für seine Magazine, für seine Com-municationen mit Böhmen und für Sachsen , und anderseits befürchteteer seine Communicationen mit Soltikow zu verlieren.
Lange wusste er nicht, wozu er sich entschliessen sollte, in Sorauzu bleiben oder den Prinzen Heinrich anzugreifen; endlich wählte Dauneinen Mittelweg und marschirte den 29. August (9. Septbr.) nach Sprem-berg, wo er, ohne die Communicationen mit Soltikow zu verlieren, sowohldie Lausitz als auch Sachsen zu decken beabsichtigte. Aber mit der An-kunft des Prinzen Heinrich in Görlitz waren die Communicationen derösterreichischen Armee mit den Magazinen in Böhmen schon einer sicht-baren Gefahr unterworfen nnd Daun war gegen seinen Willen gezwun-gen, sich nach Bautzen zurückzuziehen, wo er sich mit Deville vereinigte.
Soltikow, unzufrieden mit Daun's Bückzug und einsehend, dass derösterreichische Feldherr Pläne machte, ohne sich auch nur im geringstenum die Ausführung derselben zu kümmern, sobald diese mit Gefahr ver-bunden war, wollte sich ohne Verzug hinter die Oder zurückziehen, undnur durch dringende Vorstellungen Laudon's und Montalembert's liess ersich bewegen, nach Glogau zu marschiren und diese Festung zu bela-gern, jedoch mit der Bedingung, dass Daun ihm Verstärkungen sendeund für die russische Armee auf 14 Tage in Christianstadt Proviant be-schaffe. Vom Wunsche beseelt sich den eigenen Magazinen in Polen zunähern, wollte Soltikow bei Krossen über die Oder gehen und das rechteUfer dieses Flusses entlang nach Glogau marschiren, gab aber den neuenVorstellungen Montalembert's nach und marschirte, als er von der An-näherung der ihm von Daun gesandten 10,000 Mann österreichischerTruppen erfuhr, aus Lüberose über Guben nach Christianstadt.
Friedrich, im Glauben, dass die russische Armee sich nach Polenzurückziehe, war schon in der Absicht nach Kottbus ausgerückt, von dortgegen Daun zu marschiren; aber bald nachdem er seinen Fehler einge-sehen , machte er einen Eilmarsch über Forst und Sorau nach Sagan.Dieser geschickt ausgeführte Marsch, der so zu sagen eine Ergänzung zudem ausgezeichneten Marsch des Prinzen Heinrich nach Görlitz bildete,verbesserte den Stand der Angelegenheiten Friedrich's gänzlich. Diepreussischen Armeen, anfangs durch die Aufstellung der Heere Daun's undSoltikow's von einander getrennt, trennten jetzt, nachdem sie in Saganund Görlitz Stellung genommen, ihrerseits die in Bautzen und Christian-stadt befindlichen feindlichen Armeen. Friedrich stellte seine Commu-nicationen mit dem Prinzen Heinrich und Oberschlesien wieder her und