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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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183
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6. Der siebenjährige Krieg. ] 83

§ 71.

Die Lage, die Streitkräfte, ihre Vertheilung und die Operationsplänebeider Parteien nach der Schlacht bei Kunnersdorf.

Nach der Niederlage bei Kunnersdorf befand sich Friedrich in soschwieriger und gefährlicher Lage, dass der Fall Preussens fast unver-meidlich schien. Gegenüber den Trümmern des geschlagenen preussi-schen Heeres, die in Fürstenwalde aufgestellt waren, befanden sich dieüberlegenen Streitkräfte der russisch-österreichischen Armee Soltikow's.Auch auf allen übrigen Punkten hatten die Verbündeten das Ueberge-wicht: die Reichsarmee befand sich in Sachsen und Daun in Triebel aufden Communicationen des Prinzen Heinrich mit Friedrich. Brandenburglag für Soltikow offen, desgleichen Sachsen für Daun und die Reichs-armee. Mit dem Verluste Sachsens und der grösseren Hälfte seiner Be-sitzungen wäre Friedrich gezwungen gewesen, sich im Herzen Preussenszu vertheidigen und dort wäre er bald durch die ungeheuren Streitkräfteseiner Gegner erdrückt worden. Alles dies konnte und musste geschehen:aber die Geisteskraft Friedrich's, die Geschicklichkeit der Operationendes Prinzen Heinrich, besonders aber die Uneinigkeit zwischen Daunund Soltikow retteten Friedrich und Preussen.

Sofort nach der Schlacht bei Kunnersdorf zog Friedrich aus Pom-mern die 5000 Mann Keith's und das noch vor der Schlacht aus demCorps Dohna's entsandte Detachement des Obersten Hort zu sich heran,ergänzte seine Artillerie aus Berlin, Stettin und Küstrin und bildete aufdiese Weise eine kleine Armee, gegen 2830,000 Mann stark, mit derer in Fürstenwalde Berlin deckte und es sogar wagte, fast angesichtsSoltikow's sich durch Entsendung des Generals Wunsch nach Sachsenzu schwächen. Prinz Heinrich befand sich zur Zeit noch in Schmott-seifen und Fouque bei Landshut; Beide zusammen hatten ungefähr50,000 Mann. Zwischen ihnen und Friedrich befanden sich: Soltikowmit der russischen Armee und den österreichischen Corps Laudon's undHaddik's (zwischen Frankfurt und Müllrose); ferner Daun mit der Haupt-macht der österreichischen Armee in Triebel, mit abgesonderten Corpsund Detachements : Bückow in Lauban, Deville in Mark-Lissa; Hart inOberschlesien gegen Fouque, Makir und Wehl bei der Reichsarmee inSachsen, schliesslich d'Ainse in Rothenburg und Beck in Naumburg(Schlesien).

Allem Anschein nach musste die so sehr schwierige Lage Fried-rich's die Verbündeten zum entschiedensten gemeinschaftlichen Vorgehengegen ihn verpflichten. Aber die Unzufriedenheit Soltikow's gegen Daunhatte damals bereits einen so hohen Grad erreicht, dass der Erstere alle