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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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182 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

die mehr als anderthalbmal stärker war als die des Letzteren; aber erdachte trotzdem nicht im geringsten daran, dies zu benutzen, sondernverblieb in Unthätigkeit. Endlich, nachdem er sich überzeugt, dasszwischen Krossen und dem Flusse Bober sich keine preussischen Trup-pen befanden, von dem Wunsche erfüllt sich der russischen Armee zunähern und im Möglichkeitsfalle sich auf die Communicationen des Prin-zen Heinrich mit Friedrich zu stellen, marschirte er erst am Tage derSchlacht bei Kunnersdorf mit der Hälfte der Armee von Mark-Lissa überGörlitz nach Priebus. Um dabei seine Communicationen mit Böhmennicht zu verlieren, Hess er aus gewohnter Vorsicht Deville mit einemTruppencorps bei Mark-Lissa, sandte Bückow mit einem andern Corpsnach Lauban, DAinse mit einem Detachement nach Rothenburg undBeck mit einem andern Detachement nach Christianstadt. Aus Priebusbegann Daun langsam nachTriebel zu marschiren; als er aber die Nach-richt von dem über Friedrich erfochtenen Siege erhielt, blieb er gegendrei Wochen in Unthätigkeit, unterhielt nur einen Briefwechsel mit Sol-tikow, dem er verschiedene Operationspläne vorschlug, die dieser stetsverwarf und nur thätigere und entschiedenere Unterstützung seitens derösterreichischen Armee forderte.

Unterdessen benutzte die Reichsarmee die Entfernung der preussi-schen Truppen aus Sachsen, eroberte Leipzig, Torgau, Wittenberg undblockirte Dresden, nachdem sie sich mit den von Daun ihr zur Verstär-kung gesandten 15,000 Mann vereinigt hatte. Um die Geldkasse (gegen7 Millionen Thaler) und die in Dresden befindlichen preussischen Trup-pen zu retten, ertheilte Friedrich, bald nach der Schlacht bei Kunners-dorf, dem General Schmettau die Erlaubniss, Dresden auf vortheilhafteCapitulation zu übergeben. Als er aber gleich darauf sah, dass seineLage nicht so gefährlich war, wie es ihm anfangs geschienen hatte,sandte er aus Fürstenwalde Wunsch mit einem kleinen Detachement derGarnison von Dresden zur Verstärkung. Wunsch zog auf dem Marschenoch einen preussischen Truppentheil zu sich heran und marschirte mitetwa 7000 Mann gerade nach Torgau und Wittenberg, eroberte diesePlätze zurück und kam bis Dresden. Als er aber fand, dass Schmettaudiese Stadt schon übergeben und geräumt hatte, ging Wunsch zurücknach Torgau, wohin inzwischen der österreichische General St. Andre mit10,000 Mann herangerückt war. In Torgau angekommen, griff Wunsch,obgleich er nicht mehr als 4000 Mann hatte, St. Andre unter den Mauernder Festung an, warf ihn und eroberte sein ganzes Lager sowie 8 Ge-schütze.