6. Der siebenjährige Krieg. 181
bei Zorndorf, nämlich : im Flankenumgehungsmarsche Friedrich's undin seinem Angriffsplane, in der tiefen Truppenaufstellung und in derglänzenden Tapferkeit der russischen Truppen. Bei Kunnersdorf aberwar das numerische Verhältniss der Streitkräfte für Friedrich vorteil-hafter, einige andere Umstände waren ihm ebenfalls günstiger; die russi-schen Truppen waren besser aufgestellt als bei Zorndorf, und Soltikowund Laudon trafen geschicktere Anordnungen als Fermor. Schliesslichist die Schlacht bei Kunnersdorf noch dadurch bemerkenswerth, dass derSieg in derselben zu Gunsten der Vertheidiger ausfiel, die gar nicht zurOffensive übergegangen waren, und dass die Schlacht ganz klar die.Schwierigkeit eines Angriffs mit deployirten Linien in schräger Schlacht-ordnung, welche die persönliche Anwesenheit des Oberfeldherrn an allenPunkten erfordert, an den Tag legte.
§•70.
Gleichzeitige Operationen in Schlesien, der Lausitz und Sachsen. —
Der Marsch Daun's zur Oder. — Die Besetzung Sachsens und die
Eroberung Dresdens durch die Eeichsarmee.
Nach Massgabe der Annäherung Soltikow's zur Oder entsendeteDann, gleichsam um die russische Armee zu unterstützen, dem allgemeinangenommenen Plane entsprechend nach verschiedenen Seiten hin ab-gesonderte Detachements, blieb aber selbst in Unthätigkeit bei Mark-Lissa. Eine Unterstützung solcher Art konnte Soltikow nichts nützenund war ihm auch unangenehm, Friedrich würdigte die Operationen derösterreichischen Detachements keiner grossen Beachtung. Schliesslichsandte Daun aus Böhmen das starke Corps Hart's (32—33,000 Mann)nach Landshut, um Fouque durch Manövriren ohne Kampf aus dieserStadt zu verdrängen. Hart kam bis Schömberg, bezweifelte den Erfolgund übergab den Befehl über die Truppen an Deville, der, nachdem erüber Konradswalde nach Fürstenstein marschirt war, sich auf den Com-municationen Fouque's mit Schweidnitz aufstellte. Fouque, ohne dieszu berücksichtigen, besetzte alle nach Böhmen führenden Wege. Hess4000 Mann in Landshut und stellte sich mit seinen übrigen Truppenzwischen Konradswalde und Friedland auf. Deville wartete einige Tage,dass Fouque sich zurückziehen sollte, seine leichten Truppen machtenStreifzüge sogar bis Breslau; endlich, an Proviant Mangel leidend, undnachdem er erfahren, dass er selbst von Böhmen abgeschnitten sei, ver-mochte er es kaum die Preussen zu hintergehen und auf grossen Um-wegen über Johannisberg und Braunau nach Böhmen zurückzukehren.
Als Friedrich zur Oder marschirte. sandte Daun dorthin Laudon undHaddik und blieb selbst gegen den Prinzen Heinrieh mit einer Armee,