6. Der siebenjährige Krieg. 175
Als Friedrich und Prinz Heinrich dies erfuhren, sandte Ersterer so-fort den Prinzen von Würtemberg mit 8 Bataillonen und 12 EscadronennachPriebus, um Laudon aufzuhalten, und der Letztere, von dem Wunschebeseelt, Haddik zuvorzukommen, marschirte mit seiner ganzen Armeevon Dresden nach Bautzen, liess hier Fink mit 12 Bataillonen und 10 Es-cadronen (gegen 10.000 Mann, zurück und marschirte selbst mit denübrigen Truppen schnell über Muskau nach Sagan. Der Prinz von Wür-temberg, der zu schwach war. um Laudon aufhalten zu können, zog sichnach Bührau zurück und vereinigte sich in Sagan mit dem Prinzen Hein-rich. Laudon und Haddik aber vereinigten sich zu derselben Zeit, alsder Prinz Heinrich von Muskau nach Sagan marschirte, in Priebus (d. i.zwischen dem Prinzen Heinrich und Finkj und marschirten über Sommer-feld nach Guben.
Nun vertraute Friedrich dem Prinzen Heinrich den Befehl über dieim Lager von Schmottseifen befindlichen 40,000 Mann und marschirtepersönlich mit den bei Sagan gesammelten Truppen (20 Bataillonen und35 Escadronen) zur Unterstützung Wedel's heran. Das Corps Fink's, zuschwach um Sachsen zu decken, wurde ebenfalls zur Oder dirigirt. Aufdiese Weise beabsichtigte Friedrich an diesem Strome gegen 43,000 Mann(63 Bataillone und 106 Escadronen) zu concentriren, die russische Armeeanzugreifen und sie zum Rückzuge nach Polen zu zwingen. Die Aus-führung dieses Planes erforderte die grösste Schnelligkeit, weil Sachsenganz unbcschützt blieb. Daher marschirte denn auch Friedrich ohne Ver-zug aus Sagan über Christianstadt und Sommerfeld nach Müllrose, in-dem er auf die Wahrscheinlichkeit eines schnellen Zurückschlagens derrussischen Armee, auf die Unentschlossenheit der Operationen der Reichs-armee, sowie darauf baute, dass Dresden die Belagerung bis zur Been-digung der Operationen an der Oder aushalten würde.
Unterdessen marschirte Laudon, welcher dem General Haddik denganzen Train überlassen, mit 15,000 Mann, die grösstentheils aus Rei-terei bestanden, nach Frankfurt, wo er sich mit Soltikow vereinigte.Haddik aber wurde von Friedrich eingeholt und nachdem er bei Star-siedel einen bedeutenden Theil seines Trains und einen Theil der diesendeckenden Truppen verloren hatte, zog er sich nach Spremberg zurück.
Friedrich hatte keine Zeit, seine Niederlage zu vollenden, sondernmarschirte eiligst nach Müllrose, wo bald darauf Wedel von Logau ander Oder, und Fink (der die Reichsarmee, die Merseburg und Halle be-setzt hatte und Wittenberg und Torgau zu bedrohen begann, beobachtethatte und nach und nach von Bautzen über Kamenz und Hoyerswerdanach Torgau und von da über Lübben nach Müllrose gekommen war)zu ihm stiessen.