\ 76 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Nachdem Friedrich bei Müllrose seine Armee concentrirt hatte, ginger in der Nacht vom 30. zum 31. Juli a. St. (vom 10. zum 11. August)in 3 Colonnen bei Reitwein, zwischen Küstrin und Frankfurt, auf dasrechte Oderufer Über und nahm eine Position ein zwischen Trettin undBischofsee gegenüber dem Ende des rechten Flügels der russisch-öster-reichischen Armee, die bei Kunnersdorf, mit der Fronte zur Oder auf-gestellt war. Friedrich hatte bei den Brücken den ganzen Train unterBedeckung von 7 Bataillonen, und in Lebus den General Wunsch miteinem Truppendetachement und dem Befehle zurückgelassen, am andernTage Frankfurt mit seiner Brücke zu erobern, über welche Soltikow undLaudon sich hinter die Oder zurückziehen und mit Haddik, der gleichnach Friedrich in Müllrose angelangt war, vereinigen konnten.
Nach dem Uebergange Friedrich's über die Oder blieb Soltikow inderselben Position, nur dass er sich mit der Fronte zurück und mit demRücken zum Flusse gekehrt hatte. In dieser Position war die russischeArmee mit dem rechten Flügel auf den Höhen von Judenberg, mit demCentrum auf dem Spitzberge und mit dem linken Flügel (unter dem Be-fehl des Generallieutenants Fürsten Galitzin) auf dem Mühlberge auf-gestellt. Eine tiefe Schlucht, der Kuhgrund, trennte den Mühlberg vomSpitzberge und den linken russischen Flügel vom Centrum. Die ganzeFläche vor der Fronte der Armee wurde durch eine Reihe von Befesti-gungen gedeckt, die in der Nähe des Mühlberges zurückgebogen war;ausserdem waren vor beiden Flügeln Verhaue errichtet. Ein Theil derrussischen Reiterei befand sich vor den Befestigungen und der übrigeauf der linken Flanke der österreichischen Reiterei, die hinter dem Juden-berge, in der Nähe der Vorstädte Frankfurts, als Reserve aufgestelltwar. Dort stand auch die österreichische Infanterie. Der ganze Trainbefand sich in Frankfurt.
Die Armee der Verbündeten zählte gegen 60,000 Mann Russen und15,000 Mann Oesterreicher, im Ganzen gegen 75,000 Mann (nach An-deren sogar 80,000 Mann), Friedrich's Heer dagegen nur 42,000 Mann,d. i. fast um die Hälfte weniger.
Die Position, in der die verbündete Armee aufgestellt war, hattewichtige Mängel, nämlich: eine sehr geringe Tiefe und im Rücken dieOder, und zur Sicherung des Ueberganges über diese waren gar keineAnstalten getroffen. Aber anderseits hatte sie den wichtigen Vortheil,dass sie sich in einer zerklüfteten und verdeckten Gegend befand, dieFriedrich daran hinderte, sie genau zu besichtigen , und welche die Ur-sache war, dass er über dieselbe einen ziemlich fehlerhaften Begriff be-kam, was einen wichtigen Einfluss auf den Gang und Erfolg des Kampfeshatte. Friedrich, welcher stets nach Kampf, besonders gegen die russi-schen Truppen, nach dem allerentschiedensten Siege und der gänzlichen