6. Der siebenjährige Krieg. ]73
in taktischer Hinsicht starke Position einnahm, die zugleich sehr vorteil-haft war, da sie Niederschlesien gegen den aus der Oherlausitz oderBöhmen heranrückenden Feind eventuell sehr gut zu decken vermochteund den Preussen es ermöglichte, mit gleicher Leichtigkeit einem jedenvom Feinde bedrohten Punkte zu Hülfe zu eilen.
Zur selben Zeit '10. Juli) nahmen die österreichischen Corps Lau-don's und Haddik's (der aus Franken gekommen war), das erstere inLauban, das letztere bei Aussig an der Elbe Stellung.
§.67.
Operationen an der Warthe und Oder: Der Marsch Soltikow's aus
Posen an die Warthe. Soltikow's und Dohna's Operationen an der
Warthe. Die Sehlacht bei Kay oder Züllichau.
Ende April ging die noch unter Fermor's Befehl stehende russischeArmee in der Stärke von 62,000 Mann über die Weichsel und marschirtenach Posen. General Dohna, der zu Anfang des Jahres die Abwesen-heit der Bussen benutzt hatte, um die schwedischen Truppen nach Stral-sund zurückzudrängen und die Befestigungen in Peenemünde zu erobern,Hess den General Kleist mit 5000 Mann gegen die Schweden zurück, nä-herte sich Ende Mai der Oder und nahm am 12. Juli bei LandsbergStellung. Da die russische Armee behufs bequemerer Verpflegung inColonnen marschirte, befahl Friedrich dem General Dohna darnach zutrachten, dass er die Russen auf dem Marsche angreife, um dieselben inTheilen zu schlagen. Wenngleich Dohna bis zur Ankunft des 9000 Mannstarken Corps Hülsen's aus Sachsen (s. S. 172) nur über 17,000 Mann ver-fügte, so hätte er, da die russische Armee getheilt war, den Befehl Fried-riche dennoch leicht auszuführen vermocht, wenn er schneller und ent-schiedener operirt und bessere Anordnungen getroffen hätte. Anfangswartete er auf die Vereinigung mit Hülsen, in der Absicht, alsdann dasvordere russische Corps des Generallieutenants Fürsten Galitzin, dassich in Posen befand, anzugreifen und zu schlagen. Aber die günstigeZeit dazu verstrich: die russische Armee bewerkstelligte bei Posen ihreConcentrirung und so beschloss Dohna wenigstens das 10,000 Mann starkeauf dem Wege nach Posen, in Filehne, sich befindende russische Truppen-corps abzuschneiden. Er ging nächst Obornik über die Warthe, ver-spätete sich aber von Neuem, und da er sein Ziel nicht zu erreichen ver-mocht hatte, nahm er in Obiezierze Stellung. Daraufhin begannen so-wohl Soltikow als auch Dohna zu manövriren. der Erstere in der Absichtden Letzteren von seiner Verbindung mit Schlesien und mit dem HeereFriedrich's abzuschneiden, und Dohna, um seinen Gegner daran zu