Sechstes Kapitel.
Der siebenjährige Krieg (1756-1763).
(Fortsetzung.)
I.
Die ersten vier Feldzüge des siebenjährigen Krieges (1756—1759).
(Schluss.)
§. 64.Der vierte Feldzug, vom Jahre 1759. — Die Streitkräfte, ihre Auf-stellung und die Operationspläne beider Parteien.
Am Ende des Jahres 1758 war die Lage der kriegführenden Mächteauf dem Festlande im Allgemeinen dieselbe wie zu Anfang des Krie-ges ; zur See aber hatte der Krieg vom Anbeginn her eine entschie-dene Wendung zu Gunsten Englands genommen. Seit Pitt's Ernennungzum Premierminister ward die englische Flotte beständig vom Glückbegünstigt. In Nordamerika war der Krieg anfangs nur eine Fortsetzungder früheren, alten Feindseligkeiten; aber bald darauf verlor Frank-reich ganz Ganada und seine wichtigsten Besitzungen sowohl in Amerika,als in Afrika und Indien; der Handel Frankreichs gerieth gänzlich inVerfall und seine Staatsfinanzen in äusserste Unordnung. Eine für Frank-reich so nachtheilige Wendung des Krieges zur See diente nur dazu,das Bündniss zwischen diesem Staate und Oesterreich immer mehr zubefestigen. Das Cabinet von Versailles hoffte durch die Eroberung vonHannover den Verlust der Colonien zu ersetzen. Gegen Ende des Jahres1758 schloss Ludwig XV. ein neues Bündniss mit Maria Theresia, lautwelchem ersieh verpflichtete, 100,000Mann in Deutschland aufzustellen,Maria Theresien in der Wiedereroberung ganz Schlesiens und der Graf-schaft Glatz behülflich zu sein. die früheren Subsidien zu zahlen und