5. Der siebenjährige Krieg. 167
reicher sich immer in ausgezeichnet gewählten, starken Positionen auf-stellten. Den vorsichtigen Daun zum Kampfe zu zwingen, war nicht soleicht und die zu diesem Zwecke aufgewandten Bemühungen würdenFriedrich viel Zeit geraubt haben, während indessen Fermor sehr wich-tige Erfolge hätte erzielen können. Endlich achtete Friedrich Daun per-sönlich sehr und schätzte die österreichischen Truppen hoch, wohingegener die russischen Truppen in Folge falscher Vorstellungen, die er vondenselben hatte, wenig achtete. Nach der Schlacht bei Zorndorf ändertesich freilich seine Meinung.
Die Operationen des Prinzen Heinrich gegen die Armee des Herzogsvon Zweibrücken vom Mai bis zum September sind durch die gelungeneAnwendung der ausgedehnten und zersplitterten Aufstellung der Trup-pen (in der Folge unter dem Namen Cordonsystem, s. w. u., bekannt)und durch besondere Operationen der Detachemcnts den sogen. Wach-postenkrieg) bemerkenswerth. Der Prinz Heinrich hatte die Aufstellungseiner Armee nicht nur von Hof bis Freiberg ausgedehnt, sondern schickteausserdem noch Truppendetachements zur Führung des Parteigänger-krieges bis nach Bamberg und weiter. Er operirte auf diese Weise nichtohne Grund und Zweck. Er war fest überzeugt, dass sein Gegner ent-weder gar nichts unternehmen oder nur äusserst langsam und unent-schlossen operiren würde. Durch seine ausgedehnte und zersplitterteAufstellung beabsichtigte er ein grösstmögliches Terrain in Sachsen zuoecupiren und dieses besser zu decken, und ausserdem verliess er sichauf die taktische Ueberlegenheit der preussischen Truppen. Er täuschtesich nicht in seinen Voraussetzungen, hielt mehrere Monate lang einenzweimal stärkeren Gegner fern und operirte den Umständen und denUnternehmungen seines Gegners angemessen, folglich — geschickt, undes unterliegt keinem Zweifel, dass, würde ihm ein geschickter, thätigerund entschlossener Feldherr gegenüber gestanden sein, der Prinz Hein-rich eine andere Aufstellung genommen und anders operirt hätte.