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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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6. Der siebenjährige Krieg. 169

auf Kosten Frankreichs die schwedischen und sächsischen Truppenzu unterhalten, welche bis dahin auf gemeinschaftliche Kosten Frank-reichs und Oesterreichs unterhalten worden waren.

Oesterreich, durch den letzten Feldzug ermuntert, schickte sich an,entschiedener zu operiren. Russland versprach in Folge der Vorstel-lungen Frankreichs und Oesterreichs, seine Armee zu verstärken. Schwe-den und die deutschen Fürsten waren ebenfalls bemüht, mehr Thätigkeitan den Tag zu legen. Eine solche Richtung der europäischen Politikhätte für Friedrich und Preussen verderbenbringend werden können,wenn die Gefahr nicht durch die äusserste Erschöpfung der Finanzennicht nur Frankreichs, sondern auch Oesterreichs, Russlands und Schwe-dens bedeutend abgeschwächt worden wäre. Preussen. obgleich ebenfallsdurch den dreijährigen Krieg erschöpft, verbesserte seine Finanzen theilsmit Hülfe der von England erhaltenen Subsidien, theils dadurch, dass esMünzen von einem niedrigeren als dem Nominalwerthe in Umlauf setzte.Die preussischen Truppen erhielten ihren Sold pünktlicher als die derübrigen Staaten und wurden daher auch schneller und leichter durchWerbungen ergänzt.

Die zu Anfang des Jahres 1759 von den Alliirten aufgebrachtenStreitkräfte beliefen sich auf 352,000 Mann und übertrafen um mehr alsein Drittheil die Streitkräfte, welche dem Könige von Preussen zu Ge-bote standen und gegen 222,000 Mann (darunter 152,000 Mann preus-sische und 70,000 Mann verbündete Truppen) ausmachten. Das nume-rische Verhältniss der Streitkräfte beider Parteien in diesem Jahre warjedoch für Friedrich weniger unvortheilhaft als im vorhergehenden: aberin der preussischen Armee waren schon fast gar keine mehr oder nurnoch sehr wenige von den ausgezeichneten Truppen vorhanden, mit wel-chen Friedrich den Krieg begonnen hatte, und im Jahre 1759 war diepreussische Armee fast ganz aus Truppen zusammengesetzt, die seit demJahre 1756 in Preussen rekrutirt oder im Auslande angeworben wordenwaren. So war sie auch im Winter von 17581759 durch 10,000 an-geworbene Ausländer completirt worden. Oesterreich hingegen, das denKrieg mit einer Armee von schwachem und schlechtem Bestände begon-nen hatte, vermochte gerade im Jahre 1759 seine besten Truppen auf-zustellen.

Friedrich erhob, um seine Mittel zur Kriegführung zu vermehren,in den feindlichen Ländern übermässige Contributionen an Geld, Leuten,Pferden, Lebensmitteln u. s. w.

Die Streitkräfte beider Parteien waren folgendermassen aufgestellt:Daun mit 40,000 bis 42,000 Mann stand bei Gitschin in Böhmen: in de-tachirten Corps hatte er 90,000 Mann in Mähren und Böhmen, an derschlesischen und sächsischen Grenze stehen. Diesen gegenüber befand