166 IH- Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
sprechen —, den Ausgang der Operationen dieses Feldzuges vorzugsweisedurch Kampf entschieden. Hingegen änderte sich im Jahre 1758 mitden Umständen auch der Charakter des Feldzuges, dessen entschei-dende Momente nunmehr hauptsächlich durch Manövriren herbeigeführtwurden. Am Anfange dieses Feldzuges und vor Olmütz wichen beideTheile sorgfältig dem Kampfe aus. Seitens Daun's war dieses Auswei-chen ein wichtiger Fehler, weil seine Ueberlegenheit an Streitkräftenund der Umstand, dass die preussische Armee ungemein zersplittert war,für einen Erfolg bürgten. Seitens Friedrich's war es ein nicht geringererFehler, dass er die Belagerung von Olmütz durch Defensiv- und nicht durchOffensivoperationen deckte, obwohl er, den vorsichtigen und unentschlos-senen Charakter Daun's und seine Neigung einem Kampfe auszuweichenkennend, beinahe versichert sein konnte, dass er denselben durch Offen-sivoperationen zum Bückzuge zwingen oder wenigstens von Olmütz fernhalten würde. Die Nichtverhinderung des mit einem grossen Wagen-parke ausgeführten Marsches Friedrich's nach Böhmen kann nur dadurcherklärt werden, dass Daun sich nicht für verpflichtet erachtete, die preus-sische Armee zu schlagen und es für hinreichend hielt, derselben denMarsch zu erschweren, ohne sich selbst einer Gefahr auszusetzen.
Die Operationen der Preussen am Anfange des Feldzuges, von demEinfall in Mähren an bis zur Rückkehr von Böhmen nach Schlesien, be-standen , wenn von der Belagerung von Olmütz und dem in Mähren ge-führten kleinen Kriege abgesehen wird, so zu sagen fast ausschliesslichin Deckung und Escortirung grosser Transporte aus Schlesien nach Mäh-ren, aus Mähren nach Böhmen und endlich aus Böhmen zurück nachSchlesien. Als der ganze Train und Belagerungspark der preussischenArmee nach Schlesien überfuhrt worden war, hatte Friedrich die Fragezu entscheiden, ob er den Bussen entgegenrücken oder Daun gegenübervei'bleiben sollte. Im ersteren Falle setzte er Sachsen und Schlesien derGefahr einer Invasion aus, im letztern Ostpreussen ; doch war anzuneh-men , dass ein Sieg über eine dieser beiden Parteien die Sachlage auchder andern gegenüber verbessern konnte. Es war sehr gerechtfertigt,dass Friedrich es vorzog, gegen Fermor zu marschiren, weil ein Siegüber die russische Armee, die weit entfernter von Russland war, als dieösterreichische von Oesterreich, auch bei weitem wichtigere Resultatehaben konnte. Die russische Armee musste nämlich nach einer Nieder-lage sich hinter die Weichsel zurückziehen, während die österreichischein solchem Falle nur einige Tagemärsche zu machen brauchte. Nochmehr bewog der Umstand Friedrich, gegen Fermor sich zu wenden, dasses ihm bedeutend leichter schien einen Sieg über die russische Armee alsüber die österreichische zu erkämpfen. Die letztere war bedeutend stär-ker als die preussische, was um so mehr ins Gewicht fiel, als die Oester-