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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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5. Der siebenjährige Krieg. 165

Schlesien, Sachsen und von der Oder her gegen ihn operirten. Indemer auf dem Terrain zwischen der Oder. dem Riesen- und Erzgebirgeund der Elbe wie innerhalb eines Kreises operirte, wendete er sich stetsmit seiner Hauptmacht gegen diejenige Seite, von der ihm die nächsteund grösste Gefahr drohte, und war bemüht, den Feind entweder durchentscheidende Operationen zu schlagen. zurückzudrängen, oder durchManövriren zu entfernen, während er auf den übrigen Punkten es seinenGeneralen mit einem Theile der Streitkräfte überliess, defensiv zu ope-riren und, dem Kampfe ausweichend, nach Möglichkeit den Feind auf-zuhalten.

Auch in diesem Feldzuge zeichnen sich die Operationen Friedrich'sdurch Kunst, Kühnheit und Entschlossenheit in Combination und Aus-führung, wie nicht minder durch die Schnelligkeit der Bewegungen unddie seitens Friedrich's entwickelte ausserordentlich grosse Thätigkeitaus; in den Operationen seiner Gegner aber zeigte sich wieder dieselbeLangsamkeit, Unentschlossenheit, derselbe Mangel an Einheit, Zusam-menhang und Verfolgung eines bestimmten Zweckes, wie in dem Feld-zuge von 1757. obgleich einige Pläne der Oesterreicher ziemlich geschicktcombinirt waren.

Vergleicht man die beiden Feldzüge von 1757 und 1758, so wirdman bemerken, dass der letztere weniger Glückswendungen aufweist alsder erstere. dafür bemerkt man in diesem mehr Kunst, schnellere undgelungenere Märsehe und Unternehmungen sowie eine bessere Wahl derPositionen. Im ersteren vermochte Friedrich seinen Zweck durch Gewaltzu erreichen, in dem letzteren konnte er seine Absichten nur mit Hilfeder strategischen Kunst und durch Manövriren durchsetzen. Die Streit-macht der Alliirten belief sich in dem Feldzuge von 1758 auf 220,000 Mann,während die Streitkräfte Friedrich's, die Garnisonen mitgerechnet, nur150,000 Mann zählten; in Wirklichkeit aber hatte die preussische Armeenicht mehr als 130,000 Mann, d. i. ungefähr zwei Drittel aller Streit-kräfte der Alliirten. unter Gewehr, was ein Uebergewicht von 90.000 Mannzu Gunsten der letzteren ergiebt. Im Jahre 1757 waren die Streitkräftebeider kriegführenden Parteien numerisch einander ziemlich gleich. wasfür Friedrich vorteilhafter war: dafür aber hatte Friedrich nach demFeldzuge von 1758 mehr Truppen übrig behalten als nach dem Feldzugedes vorangegangenen Jahres. Die Oesterreicher als Haupturheber desKrieges stellten auch in diesem Jahre zu wenig Truppen ins Feld. ImJahre 1757 operirten auf beiden Seiten Armeen und Truppen, die wäh-rend der vorhergegangenen Friedenszeit in ihrer Organisation und Aus-bildung bedeutend vervollkommnet worden waren und. befehligt vonunternehmenden Generalen, wie Browne. d'Estrees. dem Prinzen von Loth-ringen , Schwerin, Winterfeldt von Friedrich selbst gar nicht zu