Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
Entstehung
Seite
164
Einzelbild herunterladen
 

164 HI. Kriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

bis Hannover zu verheeren. Der Herzog von Braunschweig schickte ihmden General Oberg entgegen, welcher nach seiner in Warburg mit demCorps Isenburg erfolgten Vereinigung bei Sandershausen Stellungnahm. Soubise, von der Armee Contades' durch 26,000 Mann verstärkt,marschirte nach Sandershausen, um Oberg anzugreifen. Bei dessen An-näherung trat jedoch Oberg den Rückzug an. Soubise verfolgte densel-ben, holte ihn bei Lutternberg ein, griff ihn an und zwang ihn nach hart-näckigem Kampfe, sich in Unordnung nach Minden zurückzuziehen. DerHerzog von Braunschweig, der die Vereinigung der beiden französischenArmeen befürchtete, zog Oberg zu sich heran und stellte sich bei Soestauf, den General Isenburg in der Nähe von Göttingen belassend.

Contades hielt es trotz seiner Ueberlegenheit an Streitkräften fürschwierig, wenn nicht gar für unmöglich, sich mit Soubise zu vereinigen,und die vorgerückte Jahreszeit Hess ihn auf Winterquartiere bedacht sein.Er wünschte solche auf dem rechten Rheinufer zu beziehen, besass aberdort ausser Wesel keine Festung. Er detachirte daher ein Truppencorpsunter Armentiere mit dem Auftrage, Münster zu erobern. Diese Unter-nehmung hatte jedoch keinen Erfolg und Contades ging bald darauf beiWesel auf das linke Rheinufer zurück und Hess seine Armee zwischen derMaas und dem Rhein Cantonnements beziehen. Soubise zog sich nachHanau zurück, um längs des Rheins und des Mains Winterquartiere zubeziehen, während der Herzog von Braunschweig nach Münster ging undin der Umgebung dieser Stadt, in den Bisthümern Münster, Osnabrückund Paderborn seine Truppen Cantonnements beziehen Hess.

Somit war die zweite Hälfte des Feldzuges von 1758 in Westfalenund am Unterrhein für die Verbündeten mehr in moralischer als in ma-terieller Hinsicht vortheilhaft. Der Herzog von Braunschweig hatte sichallerdings jenseits des Rheines nicht behaupten können, deckte aber Han-nover, hielt sich in Westfalen, hinderte die Franzosen Soubise nach Böh-men zu senden, mit einem Worte : er hatte mehr vollbracht als man vonseiner kleinen Armee, die es mit einem numerisch dreifach überlegenenFeind zu thun hatte, erwarten konnte.

§. 63.Allgemeine Schlussfolgerungen über den Feldzug von 1758.

Friedrich operirte in diesem Feldzuge nach derselben Methode undnach denselben Grundsätzen wie in dem vorhergegangenen Feldzuge.Er begann den Feldzug mit einer grossen Offensiv-Unternehmung, undda dieselbe keinen Erfolg hatte, so ging er zur Defensive über, die feind-lichen Armeen abwehrend, die hauptsächlich von drei Seiten, von