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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 3 (1875) Kriege der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in West-Europa : 1740 - 1792 ; die Kriege Friedrich's des Grossen
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5. Der siebenjährige Krieg. 157

Prinzen Heinrich zu verstärken. Den Letzteren mit 8 Bataillonen und 5 Es-cadronen zog Friedlich zu sich heran und übertrug dem General Fink dasObercommando über alle Truppen, die sich in Sachsen befanden und sichdort zu concentriren hatten.

Um sein vorgestecktes Ziel zu erreichen, beschloss Friedrich durcheinen heimlich unternommenen Marsch den Oesterreichern in Görlitz zu-vorzukommen und von dort ohne den geringsten Aufenthalt nach Neissezu marschiren. Um die Oesterreicher irre zu führen und zugleich umseinen Umgehungsflankenmarsch schneller und erfolgreicher zu bewerk-stelligen, wurden die Proviant- und Munitionswagen und die Leichtver-wundeten die Spree abwärts nach Kummerau, der übrige Train jedochund die Schwerverwundeten über Bautzen und Hoyerswerda nach Glogaubefördert, was die Oesterreicher zu dem Glauben verleiten sollte, dassdie preussische Armee sich nach dieser Festung zurückzuziehen beab-sichtige. In der Nacht vom 24. auf den 25. October ging jedoch Fried-rich bei Görlitz und Neudorf über die kleine Spree und führte von daseinen heimlichen Flankenmarsch nach Ullersdorf in folgender Ordnungaus: die Armee formirte zwei Colonnen, deren eine (die rechte), in derNähe des Feindes marschirende aus der ganzen Infanterie bestand, wäh-rend die andere, vom Feinde entfernter sich bewegende (linke) Colonnevon der ganzen Reiterei und dem leichten Train formirt wurde; dasschwere Fuhrwerk bildete eine besondere, in noch weiterer Entfernungvom Feinde sich vorwärts bewegende Colonne ; 1 \ Bataillone und 20 Es-cadronen (gegen 10,000 Mann) unter dem Befehle des Prinzen Heinrichbildeten die Arrieregarde. Dieser in taktischer sowohl wie in allen übri-gen Beziehungen ausgezeichnete Marsch wurde in der grössten Ordnungausgeführt und hatte gänzlichen Erfolg. Die Oesterreicher erfuhren trotzihrer grossen Anzahl leichter Truppen von demselben erst dann, als diepreussische Armee sich schon Görlitz näherte. Anstatt nun sofort mitseiner ganzen Armee den Preussen nach Oberschlesien zu folgen, trafDaun wie gewöhnlich nur halbe Massregeln, indem er sich darauf be-schränkte, nur einen Theil seiner Truppen der preussischen Arrieregardenachzusenden. Erst am 26. October Abends nahm Daun mit dem Grosseiner Armee bei der Landskrone in der Nähe von Görlitz Aufstellung, woihm schon die Preussen zuvorgekommen waren. Die letzteren erwartetenProviantzufuhr und verweilten in der Gegend von Görlitz volle 2 Tage,während welcher Zeit Daun nichts unternahm, sondern sich darauf be-schränkte, den General Wied mit 12,000 Mann zur Verstärkung des CorpsHart's, welcher Neisse belagerte, abzusenden, während es doch in seinerMacht lag, durch offene Gewalt oder durch Manövriren den weiterenMarsch Friedrich's nach Oberschlesien zu verhindern.